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Hugh Bonneville:Viel zu sehr Europäer, um nur noch Brite zu sein

'Paddington 2' Premiere - Red Carpet Arrivals

In einer Liga mit Namensvetter Grant: Hugh Bonneville.

(Foto: Getty Images)

In "Downton Abbey" spielt Hugh Bonneville einen Earl, in "Paddington" den brummigen Familienvater. Jetzt hat sich der britische Schauspieler zum Brexit geäußert.

Er hat die seriöse Ausstrahlung eines Mannes, dem man alles glaubt; ihm würde man nicht nur einen Gebrauchtwagen abkaufen, sondern wahrscheinlich gleich ein ganzes Dutzend. Er könnte ein erfolgreicher Heiratsschwindler sein oder auch ein beliebter Politiker. Tatsächlich ist Hugh Richard Bonneville Williams, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Hugh Bonneville, Schauspieler, wobei ihm seine Aura nützlich ist: Die besten Schauspieler sind schließlich die, denen man alles glaubt.

Bonneville muss sich deshalb regelmäßig erklären: Nein, er lebe nicht auf einem Schloss. Nein, er trage nicht nur Tweedsakkos, habe keinen Labrador, möge keine Fuchsjagd und sei auch gar nicht adelig. Denn seit er in der Rolle des Earl von Grantham aus der Erfolgsserie "Downton Abbey" berühmt geworden ist, wird der gebürtige Londoner ständig für den Lord gehalten, den es nur im Fernsehen gibt. Oder, neuerdings, verstärkt auch für Henry Brown, den Pflegevater des Bären Paddington; der Film ist in diesem Winter in die Kinos gekommen, und Bonneville gibt darin wiederum einen brummigen, aber doch serösen, liebevollen und verlässlichen Familienvater.

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Der kleine, sprechende Bär mag zunächst naiv und unschuldig erscheinen. "Paddington 2" ist in seinem wohltuenden Mantra der Gutherzigkeit aber geradezu utopisch.

Auch als Lord Mountbatten, der letzte Vizekönig Indiens, war er im Herbst im Kino zu sehen gewesen. Und weil es darin um die Kolonialgeschichte des Königreichs und den Verlust historischer Größe ging, ließ es sich der Hauptdarsteller, der nach eigener Aussage eher unpolitisch ist, dennoch nicht nehmen, mitten in den Brexit-Verhandlungen eine höchst politische Botschaft an seine Fans abzusetzen: Er sei viel zu sehr Europäer, als dass er sich plötzlich wegen des EU-Austritts wieder vor allem als Brite fühlen könne. "Das führt bei mir zu kultureller Verwirrung", sagte Bonneville der Berliner Zeitung.

In seiner Heimat ist der 54-Jährige seit Langem ein Star und wird in einer Liga mit seinem Kollegen Hugh Grant gehandelt. Neben ihm hatte er als rührend harmloser Börsenmakler Bernie in der Komödie "Notting Hill" einen legendären Auftritt, wobei Bernie, wie sollte es anders sein, für das Zockerleben an den internationalen Finanzmärkten nicht gemacht war. Er war einfach zu seriös.

Als junger Mann studierte Bonneville eine Weile eher lustlos in Cambridge Theologie, wechselte dann an eine Schauspielschule und gab sich drei Jahre, um zu reüssieren. "Sonst hätte ich es mit Jura versucht", sagt er. Sein schauspielerisches Talent hat Bonneville womöglich von seiner Mutter, einer gelernten Krankenschwester. Sie arbeitete beim MI6, dem britischen Auslandsgeheimdienst, schaffte es aber, ihrer Familie das jahrelang zu verheimlichen und sich immer als harmlose Bürokraft zu verkaufen.

Der Erfolg kam schnell, verließ ihn dann aber für eine Weile: Bonneville wurde früh Mitglied der Royal Shakespeare Company und war ungeheuer stolz darauf; als sein Vertrag nicht verlängert wurde, fiel er ins Bodenlose. Aber dann kamen die ersten Film- und Fernsehangebote, das Leben ging weiter - und er stellte fest, dass auch ein Leben ohne Bretterbühne lebenswert war. Anhand der Charity-Projekte, die er unterstützt, ist leicht erkennbar, dass ihn das Theater nie losgelassen hat: Bonneville setzt sich für eine ganze Reihe von Programmen ein, bei denen Kinder aus bildungsfernen Familien an die Bühne herangeführt werden.

Er selbst habe das Glück gehabt, in einem Elternhaus aufzuwachsen, in dem Kultur einen großen Stellenwert hatte, sagt er. Allerdings habe sein Vater gleichzeitig als Chirurg ungeheuer hart gearbeitet, habe täglich Leben gerettet. "Das hat mir eine gesunde Skepsis angesichts der Absurdität dessen eingeimpft, was ich tue. Ich muss zugeben, es macht Spaß, Menschen etwas vorzuspielen, aber ich verändere damit nicht die Welt", sagt der Star über sich selbst und ordnet seine Kunst so ein: "Letztlich hüpfe ich nur in Strumpfhosen herum und tue so, als wäre ich jemand anderer."

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