Hindus stürmten Set zu bin Laden-Film:Halbmond am falschen Ort

Auch posthum bringt Osama bin Laden Menschen gegen einander auf: Radikale Hindus stürmten in Indien den Set des neuen Film von Oscar-Preisträgerin Kathryn Bigelow über den ehemaligen Al-Qaida-Chef. Der Zorn der Fundamentalisten richtete sich gegen Requisiten am Drehort: grün-weiße Nationalflaggen des Erzfeindes Pakistan, die den Halbmond vor grünem Hintergrund zeigen.

Sie geht keinem brisanten Thema aus dem Weg: Schon 2009 fasste Regisseurin Kathryn Bigelow mit The Hurt Locker ein heißes Eisen amerikanischer Zeitgeschichte an - das Drama handelt vom letzten Irak-Krieg. Nun sorgt ihre neue Produktion Zero Dark Thirty über den ehemaligen Al-Qaida-Chef Osama bin Laden für Aufsehen. Doch der Film erhitzt nicht etwa die amerikanischen Gemüter, sondern treibt Menschen in Indien auf die Barrikaden: Radikale Hindus störten in Chandigarh die Dreharbeiten zum neuen Film der Oscar-Preisträgerin.

Hindus stürmten Set zu bin Laden-Film: Fundamentalistische Hindus protestieren gegen die Dreharbeiten zu Kathryn Bigelows Film "Zero Dark Thirty" in Indien.

Fundamentalistische Hindus protestieren gegen die Dreharbeiten zu Kathryn Bigelows Film "Zero Dark Thirty" in Indien.

(Foto: AFP)

Als eine Gruppe von Menschen auf den Set zum Film stürmten, musste ein Großteil der Crew in Sicherheit gebracht werden. Die Regisseurin selbst war zu diesem Zeitpunkt nicht anwesend. Der Überfall richtete sich gegen den Nachbau der pakistanischen Stadt Abbottabad. Dort hatte sich Osama bin Laden bis zu seiner Tötung durch eine US-Spezialeinheit im Mai 2011 versteckt gehalten.

Laut Berichten der indischen Nachrichtenagentur IANS hätten die Hindus grün-weiße pakistanische Nationalflaggen und Schilder in der pakistanischen Landessprache Urdu heruntergerissen. "Wir werden nicht erlauben, dass pakistanische Fahnen in der indischen Stadt wehen", sagte einer der Demonstranten.

Bigelow sagte daraufhin zu, in den nächsten Drehtagen auf pakistanische Flaggen zu verzichten. Die fundamentalistischen Hindus kritisierten auch die indische Regierung, die die Dreharbeiten für den Film genehmigt haben. Ursprünglich hatte Bigelow vorgehabt den Film in Pakistan zu drehen. Doch die pakistanische Regierung hatte ihr die Drehgenehmigung verweigert, wie der Hollywood Reporter berichtet.

Zero Dark Thirty - der ursprüngliche Titel lautete Kill Bin Laden - beschäftigt sich mit der Jagd nach dem meistgesuchten Terroristen der Welt bis zu seinem Tod 2011. Das Drehbuch war bereits vor bin Ladens Tod fertig gestellt worden und musste später umgeschrieben werden.

Die Nachbarstaaten Indien und Pakistan haben seit 1947, dem Jahr in dem sie ihre Unabhängigkeit vom Britischen Empire erlangt haben, drei Kriege gegeneinander geführt. Im Zentrum des Konflikts zwischen den beiden Atommächten steht seit langem der Streit um die Region Kaschmir, die auf Pakistan, Indien und China aufgeteilt ist.

© Süddeutsche.de/dpa/mapo/pak
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