Haus der Kulturen der Welt Die Dummheit der smarten Maschinen

Es gibt noch eine andere Konsequenz aus der Dummheit der smarten Maschinen. Sie können nur reproduzieren, was man ihnen beigebracht hat. Und weil sie so blind sind für Kontexte halten sie einen Mann mit Krawatte für einen "leader" und einen im T-Shirt für einen "worker"; deshalb scheitern sie an Michael Jackson, den sie als "6 percent black" beschreiben.

Kate Crawford vom Institut AI Now der New York University und der Künstler Trevor Paglen gaben in ihrem Vortrag einen ziemlich erschütternden Einblick in die verborgene Welt der von Menschen klassifizierten Bildkataloge, auf die die KI ihre Entscheidungen gründet. Nicht nur stecken die Taxonomien voller Fehlerquellen, sie stützen sich oft auch auf Lehren, die außerhalb der digitalen Welt längst widerlegt sind, die Theorie etwa, dass sich die gesamte menschliche Gefühlswelt in sechs Kategorien klassifizieren lasse.

Vor allem aber unterwirft die automatisierte Informationsgewinnung alle Menschen einer neokolonialen Logik. Der Begriff "extraction industry", Verwertungsindustrie, ist hier noch treffender als "Plattformkapitalismus: Der Mensch ist eine Mine, seine Daten sind der Rohstoff, den es auszubeuten gilt. Dass das Training der KI immer ideologisch gefärbt ist, ist das eine. Das andere ist die Tatsache, dass die automatisierte Erkenntnisgewinnung ohne öffentliche Kontrolle vonstatten geht. Bei Google sowieso. Aber auch bei der New Yorker Polizei. Natürlich braucht sie eine gerichtliche Genehmigung, um Wohnungen zu durchsuchen, nicht aber, um Demonstranten mit Drohnen zu filmen, deren Bilder per Gesichtserkennung analysiert werden. Erstaunlich, wie viel Gerechtigkeit und Neutralität der Mensch den Maschinen zutraut.

Astronomie und Raumfahrt Der Nachdenk-Satellit
Kunst im Weltall

Der Nachdenk-Satellit

Der Satellit des US-Künstlers Trevor Paglen kann nichts außer Sonnenlicht zur Erde spiegeln. Er soll Menschen zum Nachdenken anregen. Doch die Weltraumkunst verärgert Astronomen.

Damit verbündet sich die Staatsmacht mit der des Silicon Valley zu einer Formation, wie es sie in der Geschichte noch nicht gegeben hat. China mit seinem sozialen Kreditsystem bildete den dystopischen Horizont des Wochenendes, es ist das krasseste Beispiel für die Logik, die allen digitalen Mechanismen zugrunde liegt: Sie erzeugen Realität und führen uns. Wir schreiben nicht nur mit am unendlichen digitalen Wissen, wir werden geschrieben.

Während Max Senges von Google beschwichtigte ("Wir treiben keinen Schindluder"), erklärte Andrej Heinke von Bosch, Machtungleichheiten wie die heutigen hätten historisch nie lange bestanden. Man müsse sie korrigieren, bevor es zum gewaltsamen Umbruch komme. Was also tun, bevor die "Siliconialisierung" (Sadin) unumkehrbar wird, bevor die "Privatisierung von Öffentlichkeit" (Joseph Vogl) den letzten Raum gefressen hat, in dem sich Gegenpositionen formieren könnten?

Müsste Facebook nicht uns für unsere Beiträge entlohnen? Hilft es, die Algorithmen mit falschen Informationen zu verwirren? Sollten wir Reservate schaffen, auf die die Tech-Konzerne keinen Zugriff haben? Sybille Krämer und viele andere im HKW dachten größer: Sie forderten eine neue Aufklärung.

Film "Bei glücklichen Menschen bleiben die Seiten leer"

Alexander Kluge im Interview

"Bei glücklichen Menschen bleiben die Seiten leer"

Es gibt kaum einen so produktiven Geschichtenerzähler wie Alexander Kluge. Der Schriftsteller und Filmemacher erklärt, warum er am besten schildern kann, was er nicht selbst erlebt hat, weshalb er Ramschlektüre liest - und was Scarlett O'Hara zu seinem großen Vorbild macht.