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Box-Office-Hit "Godzilla vs. Kong":Monster gegen Monster

Kino im Jahr 2021: Godzilla kämpft gegen King Kong, und das Publikum ist glücklich.

(Foto: AP)

Wo die Kinos geöffnet sind, wollen die Zuschauer nur eins: "Godzilla vs. Kong".

Von David Steinitz

Nähern wir uns dem Phänomen zunächst einmal psychoanalytisch. Wenn die ganze Welt sich vor einem winzigen Virus fürchtet, muss es nach Feierabend vielleicht einfach etwas Großes, Unübersehbares sein, dass sich nicht unbemerkt durch die Atemwege einschleichen kann.

Überall dort, wo die Kinos geöffnet sind, in China zum Beispiel oder in Neuseeland, auch in Teilen der USA, reüssiert nur ein einziger Film: "Godzilla vs. Kong". Monster gegen Monster, allein der Trailer ist eine einzige Pixelschlacht, in der explodiert, was explodieren kann. Der Titel ist gleichzeitig die Inhaltsangabe. Eine intellektuelle Überbeanspruchung des pandemisch-labilen Gehirns steht nicht zu befürchten.

Der Actionfilm hat laut Box Office Mojo weltweit bereits 285 Millionen Dollar eingespielt. Das wäre angesichts seines gut 165 Millionen Dollar schweren Budgets in normalen Zeiten ein Flop - in Pandemiezeiten ist es aber ein Superhit. Beim Filmstudio Warner Brothers knallen entsprechend die Korken, denn so viel Geld in so kurzer Zeit hat während der gesamten Corona-Krise bislang kein Kinofilm eingespielt. Selbst Christopher Nolans Actionthriller "Tenet", ebenfalls eine Warner-Produktion, von der vergangenen Sommer ganz Hollywood hoffte, sie würde das Kino retten, startete deutlich schwächer. Das ganze Branchengerede vom Großkünstler Nolan, der mal wieder die Grenzen der Kinokunst zu verschieben versprach, interessierte die Zuschauer anscheinend deutlich weniger.

Dass der Film auch als Stream verfügbar ist, scheint den Kinos nicht zu schaden

Nun stellt sich natürlich die Frage, ob man aus dem Erfolg von "Godzilla vs. Kong" irgendwelche Schlussfolgerungen für die Zukunft der Entertainmentbranche schließen kann. Bei Warner ist man über den Erfolg auch deshalb so begeistert, weil der Film, zumindest in den USA, gleichzeitig auch beim studioeigenen Streamingdienst HBO Max startete. Diese Strategie testen derzeit mehrere Studios, auch Disney will zum Beispiel den Marvel-Film "Black Widow" zur gleichen Zeit online und dort, wo es möglich ist, im Kino ans Publikum bringen.

Dass "Godzilla vs. Kong" trotz der Verfügbarkeit auf HBO Max noch Kinozuschauer anzieht, wertet so mancher Branchenbeobachter als seliges Zeichen für die Zukunft: eine glückliche, geldbringende Koexistenz von Kino und Streaming.

Das Problem an der Sache ist aber, dass alle Kinozahlen durch den derzeitigen Ausnahmezustand kaum belastbar sind für die Zeit danach. Hinzu kommt, dass es im Streamingbereich fast überhaupt keine Zahlen gibt, die man zum Vergleich heranziehen kann. Streamingdienste wie Netflix, Amazon und HBO Max veröffentlichen Zahlen nur, wenn die Betreiber Lust haben - und das haben sie selten. Laut Warner ist "Godzilla vs. Kong" auch auf HBO Max der derzeit meistgeklickte Film - aber wie viele Menschen genau ihn bislang online angeschaut haben, vermeldet das Studio nicht.

Trotzdem könnte die Monsterschlacht ein Signal zumindest für die unmittelbare Zukunft sein: Die Zuschauer wollen, wenn sie schon ins Kino gehen, einfach lautes Bummbumm. Also: vermutlich noch mehr Sequels, Prequels, Spin-offs und wie die ganzen Synonyme für Hollywoodfließbandware heißen.

© SZ/kni
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