Zehn Jahre Glühbirnenverbot "Es ist eben doch kein Feuer"

"Der glühende Wolframfaden war das letzte Feuer, an dem man sich wärmen konnte", sagt Lichtdesigner Ingo Maurer.

(Foto: dpa)

Die Empörung über das Verbot der klassischen Glühlampe hat sich gelegt. Die meisten haben sich zehn Jahre danach an energiesparende Lichtquellen gewöhnt - der gefeierte Lichtdesigner Ingo Maurer nicht.

Interview von Philipp Bovermann

Von Designkritikern wird Ingo Maurer gern ehrfürchtig der "Lichtpapst" genannt. Er hat Meilensteine im Lampendesign gesetzt und daneben Lichtinstallationen entworfen, die auf der ganzen Welt zu finden sind, darunter die LED-Beleuchtungskonzepte für die Münchner U-Bahn-Stationen Marienplatz und Münchner Freiheit. Bald folgt das Sendlinger Tor. Der klassischen Glühbirne, die vor zehn Jahren verboten wurde, trauert er nach.

SZ: Herr Maurer, leben wir heute in schlechtem Licht?

Ingo Maurer: Die Qualität der LEDs hat sich stark verbessert. Aber es ist eben doch kein Feuer. Der glühende Wolframfaden war das letzte Feuer, das letzte Licht, an dem man sich wärmen konnte.

Wie an einem Lagerfeuer, meinen Sie?

Genau. Oder als hätte man zu Hause ein ganz kleines Kaminfeuer. Das ist etwas Psychologisches. Das Feuer war unser erstes Licht. Es hat uns immer erwärmt. Diese Faszination, ein Feuer in einer Glühbirne zu haben, das ist doch sehr poetisch.

Der Schwabinger Lichtdesigner Ingo Maurer im verspiegelten Zwischengeschoss des nach seinen Plänen neugestalteten U-Bahnhofs "Münchner Freiheit".

(Foto: Stephan Rumpf)

Kann man den Unterschied zwischen dem Licht einer gut gemachten, modernen LED-Birne, und dem einer Glühbirne auf den ersten Blick überhaupt sehen?

Ja natürlich, es fehlt die Lebendigkeit. Das ist ein totes Licht, sehr grell und daher nicht wohltuend für die Augen. Auch die Umgebung macht dieses Licht ein bisschen tot. Es gibt neue Entwicklungen mit der LED, die machen ein schönes, oranges Licht. Das ist der absolute Hit draußen, sehr klug konstruiert. Man findet es inzwischen in jeder Kneipe. Sehr angenehm und - wie soll ich sagen? Erträglich.

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Und was macht es mit den Menschen?

Man kommt abends nach Hause und fühlt sich irgendwie ein bisschen unwohl. Man weiß aber nicht, dass es das falsche Licht ist. Mit einem guten Licht zu Hause, das einem die Seele streichelt, ist man viel, viel glücklicher.

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Anfangs war die Empörung über das Verbot in Deutschland groß. Trauern die Leute der Glühbirne heute nur deshalb nicht mehr nach, weil sie keinen Vergleichswert mehr haben?

Die Menschen sind im Unterbewusstsein auf gutes Licht geeicht. Da es nichts anderes gibt, gewöhnen sie sich auch an diese neuen Lichtquellen. LED wurde ja sehr hochgejubelt. Aber der Mensch ist erfinderisch. Ich glaube, dass eine Zeit nach LED kommen wird. Da warte ich schon drauf.

Eine Zeitlang dachte man, bald gebe es nur noch LED-Wände. Warum ist die klassische Form, die Birne, immer noch so verbreitet?

Weil sie eine Ikone ist. Ich finde einfach diese Form wunderschön. Sie ist in unserem Inneren eingepflanzt.

Haben Sie selbst noch Glühbirnen bei sich zu Hause brennen?

Ich habe noch eine - nein: zwei. Die zweite ist eine größere, die wir speziell für ein Modell herstellen ließen und die dann übrig geblieben ist. Wir haben natürlich ein paar gehortet. Und dann gab es in der Schweiz eine Firma, die sie weiter hergestellt hat.

Und wenn Ihnen die ausgehen?

Ich glaube, ich würde mich, mit einem guten Lampenschirm drumherum, auf LED einlassen.

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