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Debatte um Kinofilm:Gerhard Richter übt harsche Kritik an Florian Henckel von Donnersmarck

Gerhard Richter im Jahr 2015 vor einem seiner Gemälde

(Foto: AP)
  • Der Maler Gerhard Richter wirft dem Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck vor, seine Biografie missbraucht und entstellt zu haben.
  • Donnersmarck hatte sich für seinen Film "Werk ohne Autor" von der Lebensgeschichte des Malers inspirieren lassen.
  • Der Regisseur zeigt sich von Richters Kritik überrascht.

Der Maler Gerhard Richter distanziert sich von dem Film "Werk ohne Autor", der lose an dessen Leben angelehnt ist. In einem Artikel im US-amerikanischen Magazin New Yorker über die Entstehungsgeschichte des Films kritisiert der Künstler den Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck. Dieser habe es geschafft, so Richter, "meine Biografie zu missbrauchen und grob zu entstellen".

Donnersmarcks "Werk ohne Autor" erzählt die Geschichte des fiktiven Malers Kurt Barnert, der - wie Gerhard Richter - während des Zweiten Weltkriegs in der Nähe von Dresden aufwächst, in der DDR Kunst studiert und schließlich nach Westdeutschland flieht, wo ihm sein internationaler Durchbruch gelingt.

Nach der Darstellung des New Yorker trafen sich Donnersmarck und Richter mehrfach im Vorfeld des Filmprojekts. Laut dem Regisseur sei der Maler dabei sehr offen gewesen. Donnersmarck habe Richter auch das Drehbuch des geplanten Films vorgelesen. Dieser sei davon sehr bewegt gewesen und habe sogar angeboten, eigene Bilder für das Projekt beizusteuern.

Richter selbst stellt das Geschehen dem New Yorker gegenüber anders dar. "Sehr bald nach seinem ersten oder zweiten Besuch sagte ich ihm klar, dass ich einen Film über Gerhard Richter nicht gutheißen würde." Er habe, so Richter, Donnersmarck vorgeschlagen, der Hauptfigur einen anderen Beruf zu geben, da die Familiengeschichte, die der Regisseur erzählen wollte, nicht notwendigerweise einen Maler gebraucht hätte. Außerdem habe Richter schriftlich verfügt, dass Donnersmarck keine Erlaubnis hätte, seinen Namen oder seine Bilder zu benutzen. Donnersmarck habe versprochen, die Wünsche zu respektieren. "Aber in Wirklichkeit", beschwert sich Richter über den Regisseur, "hat er alles getan, um meinen Namen mit seinem Film in Verbindung zu bringen und die Presse half ihm dabei nach Kräften. Zum Glück haben die wichtigsten Zeitungen hierzulande das Gebräu sehr skeptisch und kritisch aufgenommen."

Als der New Yorker Donnersmarck mit den Aussagen Richters konfrontierte, zeigte sich dieser überrascht. Er habe sogar in vielen Details des Films versteckte Liebesbriefe an Richter eingebaut. "Es ist sehr schade, dass er das nicht gesehen hat." Gleichzeitig äußerte Donnersmarck Verständnis für die Reaktion Richters. "Wenn ich mir vorstelle, dass jemand meine Lebensgeschichte nähme und ihr einen bestimmten Dreh gäbe, wäre das sehr schmerzvoll - entweder, weil es den schmerzvollen Kapiteln meines Lebens so nahe käme, oder, weil es nicht nah genug käme."

Die Kritik Richters kommt für Donnersmarck zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt: Am kommenden Dienstag wird die Oscar-Academy verkünden, ob "Werk ohne Autor" in der Kategorie "bester fremdsprachiger Film" nominiert ist.

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