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Filmstarts der Woche:Welche Filme sich lohnen - und welche nicht

"Voll verschleiert" ist alberner Fundamentalisten-Klamauk. "Loving Vincent" erzählt die Lebensgeschichte von Vincent van Gogh - animiert im Stil des Malers.

Von den SZ-Kinokritikern

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Bamse - Der liebste und stärkste Bär der Welt

Bamse der liebste und stärkste bär der welt

Quelle: Tre Vänner/MFA

Vögel zwitschern, Ex-Schurken gärtnern und sogar der Wolf ist lieb. Christian Ryltenius bringt die Welt von Bamse, dem beliebten Bären aus Schweden, auch in Deutschland ins Kino. Der intrigante Fuchs will Unfrieden verbreiten, aber Bamse hat seinen Donnerhonig, dessen Wirkung der von Popeyes Spinat entspricht. Die reduzierte Animation zeigt dabei, dass es für Spannung nicht immer große Effekte braucht. Manchmal trieft die honigsüße Weltsicht dann doch zu sehr, für die jüngsten Zuschauer ist es dennoch ein Vergnügen.

Ana Maria Michel

2 / 7

Die Flügel der Menschen

Kinostart -  ´Die Flügel der Menschen"

Quelle: dpa

Centaur lebt mit Frau und Sohn in den kirgisischen Bergen. Früher war er Filmvorführer, dann wurde das Dorfkino zur Moschee. Unglücklich darüber, dass die Pferde, einst Sinnbild für den Freiheitsdrang seines Volkes, zur Ware geraten sind, stiehlt er nachts die edelsten Tiere der Oligarchen, um sie freizulassen. In weiten Tableaus vor wilder Landschaft hängt Aktan Arym Kubat einem Kirgistan nach, das es nur noch in alten Naturmythen gibt. Sein Protagonist ist ein Träumer, der gegen den Zeitenstrom der neuen Kapitalisten und Islamisten schwimmt. Ein Heimatfilm von leiser, märchenhafter Poesie.

Annett Scheffel

3 / 7

The Killing of a Sacred Deer

Kinostart - 'The Killing Of A Sacred Deer'

Quelle: dpa

Der Herzchirurg Steven (Colin Farrell) mag Narkosespielchen nicht nur im OP, sondern auch im Bett, und seine Gattin Anna (Nicole Kidman) stellt sich gerne zur Verfügung. Ihre Kinder werden derweil von einem unheimlichen Teenager mit einem Fluch belegt und können nicht mehr laufen. Hat sich da jemand mit Schuld beladen? Yorgos Lanthimos macht aus dem antiken "Iphigenie"-Mythos einen raffinierten Rache-Thriller und versetzt seine wohlsituierten Großstadtprotagonisten zurück in den Naturzustand, bis das Blut fließt.

David Steinitz

4 / 7

Laible und Frisch - Da goht dr Doig

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Quelle: SZ

Die Gentrifzierer sind immer die anderen. Bei Michael Rösel ist ein "Fischkopf von Heckenbrunzer" der Grund dafür, dass "Schafferdingen kein schwäbisches Dorf mehr" ist, sondern ein "Selbstbedienungsladen". Es wäre aber kein authentischer schwäbischer Heimatfilm, wenn man sich nicht mit dem großkotzigen Industriellen verbünden würde, um gemeinsam den wahren Gegner niederzuringen: eine Frau. Im roten Vamp-Kleid. Sie will dem Industriellen seine Großbäckerei wegnehmen. Damit einen interessiert, wie sie den Teig gebacken kriegen, muss man sein Schwabenland schon sehr lieben.

Philipp Bovermann

5 / 7

Loving Vincent

Kinostart - 'Loving Vincent'

Quelle: dpa

Eine Reise in die Wahrnehmung des berühmten Malers Vincent van Gogh. Für den jungen Armand Roulin (Douglas Booth), der ein Jahr nach dem Tod des Malers im Auftrag seines Vaters einen Brief an dessen Bruder Theo zustellen soll und im Laufe seiner detektivischen Rekonstruktion auch seine eigene Bestimmung findet. Aber auch für den Zuschauer, vor dessen Augen sich die berühmten Bilder zu einer animierten Lebensgeschichte verbinden. Denn ähnlich wie Richard Linklater in "Waking Life" haben auch Dorota Kobiela und Hugh Welchman ihr Filmdebüt nach dem Dreh im Strich und in den Farben van Goghs "übermalt".

Anke Sterneborg

6 / 7

Oper. L'opéra de Paris

Oper. L'opéra national de Paris Film

Quelle: Les Films Pelléas/Kool

Wär das nicht toll, wenn die Kamera hinter den Kulissen immer dabei sein könnte, bei den Proben, Pannen und Premieren einer großen Kulturinstitution? Diesen alten Doku-Traum realisiert Jean-Stéphane Bron an der Opéra national de Paris, zwischen Sängerdiven und Primaballerinen, Jugendorchester und Gewerkschaftsdisput. Voll schöner kleiner Beobachtungen für Musik- und Tanzfreunde, aber der große tragende Erzählstrang, auf den Dokumentarfilmer immer hoffen, ergibt sich nicht.

Tobias Kniebe

7 / 7

Voll verschleiert

Film 'Voll verschleiert' jetzt im Kino

Quelle: epd

Es ist vielleicht noch ein bisschen zu früh, um einen arabischstämmigen Franzosen, der sich in Jemen in einen Fundamentalisten verwandelt hat und dann zurück in Paris seine Schwester einsperrt, witzig zu finden. Sou Abadi hat's trotzdem versucht. Das Ergebnis changiert zwischen übertrieben gutmütig und albern. Damit der Freund der Schwester noch zu ihr kann, wirft er sich einen Hijab über, klappert mit den Augendeckeln und gibt sich als tiefgläubige Scheherazade aus, was zu allerhand Verwicklungen führt. Fundamentalisten-Klamauk.

Susan Vahabzadeh

© SZ vom 28.12.2017/khil

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