bedeckt München 23°

Film "Grace of Monaco":Wer, wenn nicht sie?

1955 nimmt Grace Kelly ihren Oscar für "The Country Girl" jedenfalls angemessen aristokratisch in den unvermeidlichen Handschuhen entgegen. Sie ist 25 Jahre alt, und die Welt, so musste es für sie aussehen, liegt ihr zu Füßen. Viel Platz nach oben, für noch mehr Glamour, war da nicht mehr. Die "Hochzeit des Jahrhunderts" zwischen Amerikas Augenstern und dem europäischen Staatsmann Rainier Grimaldi findet in der Kathedrale mit dem schönen Namen Notre-Dame-Immaculée statt. Grace Patricia Kelly wird in einem hochgeschlossenen Kleid aus Spitze, einen Maiglöckchenstrauß samt zierlicher Bibel in der Hand, zur Gemahlin eines wahrhaftigen Fürsten. Wer, scheint es aus jedem einzelnen der tausendfach verbreiteten Fotos zu seufzen, wer, wenn nicht sie?

Ein überschaubares Reich, halb so groß wie der Central Park

Hinter den Kulissen kam die Verbindung dem nahe, was man eine arrangierte Partie nennt. Rainier Grimaldi ist zwar Spross eines stolzen Geschlechts, doch sein Reich ist halb so groß wie der Central Park, muss sich der Monegasse in Amerika öfters sagen lassen. Mitte der Fünfzigerjahre ist er über 30 und unverheiratet, das Volk in dem 202-Hektar-Ländchen drängt auf einen Thronfolger. Andernfalls gehe das Gebiet an Frankreich. Rainier III., mit dunklem Teint und Schnurrbartstrich, gilt als einer der begehrtesten Junggesellen Europas, allein: Es fehlt die passende "fiancée". Als Grace Kelly 1955 bei den Festspielen von Cannes einschwebt, eine Frau mit Format und der richtigen Religion, stimmt der katholische Fürst unter dem linden Druck seines Hofkaplans einer von der Presse eingefädelten Begegnung zu.

In den Aufsätzen der Klatschreporter über das Rendezvous werden gern schicksalhafte Hindernisse beschworen, eine Autopanne, Verspätungen - dabei ist das Bizarre an dem Treffen die Vorstellung, welche Typen im Hintergrund auf ein Gelingen warten. Der irisch-amerikanische Pater Francis Tucker, engster Berater des Fürsten, die Journalisten von Paris Match, die auf einen Scoop hoffen. "Der Prinz war charmant", ließ die Umworbene nach dem Rundgang im Schlossgarten knapp verlauten. Doch das Paar fand durchaus Gefallen aneinander, daran scheint es trotz aller späteren Krisen keinen Zweifel zu geben. Während Rainiers Aufwartung bei den Eltern der Braut wird zu guter Letzt auch Vater John gewonnen, ein überzeugter Demokrat, der dem Besuch mitteilte, er halte nicht übermäßig viel von Prinzen.

Opening Film - Cannes Film Festival 2014

Nicole Kidman in einer Szene von "Grace of Monaco".

(Foto: Gaumont/dpa)

Dass das Märchen von Grace Kelly schrittweise zur Legende erstarrt, ist nicht erstaunlich. Sie verschwindet hinter den Mauern eines Palastes und reift in Grazie zur zeitlos schönen Landesmutter. Wohltätigkeiten, der Rosenball, Gestecke aus Trockenblumen, für die sie eine seltsame Leidenschaft entwickelt haben soll - das ist am Ende alles dürftig im Vergleich zu ihrer Karriere davor, und weil die Zukunft so absehbar erscheint, wird das Vergangene wieder und wieder bemüht, als wären "High Society" und "Das Fenster zum Hof" erst gestern gewesen. Für das Fürstentum Monaco erweist sich die Partie als wunschgemäß gelungen, der Jetset kehrt zurück in die Glitzerwelt, das Casino nimmt neuen Aufschwung. Grace Kelly bekommt drei Kinder, Caroline, Albert und Stéphanie, und zur Geburt des Stammhalters 1958 gibt Rainier, der sich am liebsten mit Autos, Tieren und Sport beschäftigt, bei Cartier eine Brosche in Auftrag nach dem Modell ihres Lieblingspudels Oliver.

Die Monegassen schließen ihre Fürstin ins Herz, weil sie großzügig und niemals außer Kontrolle ist; der französische Hersteller Hermès benennt eine bis heute ikonenhaft bewunderte Handtasche nach ihr, die "Kelly Bag". Doch der Bruch in ihrer Biografie ist überdeutlich. Oft wird in Büchern das Bild einer heilen Welt entworfen, als habe sie hinter trutzigen Pforten tatsächlich das Paradies vorgefunden. Oder man überhäuft die Leser mit Details zu ihrer krisengebeutelten Ehe mit einem dominanten Partner, der Einsamkeit in der geregelten Ereignislosigkeit des Hofs, den Gerüchten über Affären und Alkoholprobleme.

Grace Kellys 30. Todestag

Star unter hundert Sternchen

Am 14. September 1982 stirbt Gracia Patricia im Alter von 52 Jahren nach einem Autounfall auf der kurvigen Straße La Turbie, bei dem ihre Tochter Stéphanie schwer verletzt wird. Die Ärzte vermuten, dass ein Schlaganfall am Steuer ihre Fahrtüchtigkeit einschränkte. Ganz in der Nähe hatte sie die Szene einer rasanten Coupéfahrt mit Cary Grant gedreht in "Über den Dächern von Nizza", einem ihrer besten Filme. Im Herbst 1982 trifft Monaco noch einmal die ganze Wucht einer außer Rand und Band geratenen Presse, von Mafia bis Suizid wird vor keiner Spekulation Halt gemacht.

Genau zwanzig Jahre zuvor hatte sich Grace Kelly mit dem Verzicht auf die Hauptrolle in "Marnie", die Alfred Hitchcock ihr anbot, endgültig verabschieden müssen von der Vorstellung, ins Filmgeschäft zurückzukehren. Im Palast wurde entschieden, das gehöre sich nicht in ihrer Stellung. "Es bricht mir das Herz", schrieb sie dem Regisseur. Spätestens damals muss ihr bewusst geworden sein, dass ihr Plan vom beneidenswerten Leben einer echten Prinzessin, ob er nun kühl berechnet war oder furchtbar naiv, nicht aufgehen würde.