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Diane Kruger im Interview:"Das könnte ich unmöglich als Beruf machen"

Hallo Deutschland? Diane Kruger hätte gern mal zu tun in diesem Land. Es muss auch keine Superheldenrolle sein.

(Foto: AFP)

Diane Kruger über ihr Spionagetraining für den Thriller "Die Agentin" und den Wandel im internationalen Filmgeschäft.

Seit sie 2017 für "Aus dem Nichts" in Cannes die Goldene Palme als beste Schauspielerin gewonnen hat, erlebe sie karrieretechnisch einen zweiten Frühling, erzählt Diane Kruger. Die Drehbücher, die sie angeboten bekomme, hätten endlich nichts mehr mit jener Helena zu tun, der schönsten Frau der Welt, mit der sie 2004 in "Troja" ihren Durchbruch hatte. Die 43-Jährige ist nach Berlin gekommen, um ihren Thriller "Die Agentin" vorzustellen, der am 29. August im Kino startet. Darin spielt sie eine israelische Spionin, die für einen gefährlichen Auftrag nach Iran geschickt wird. Beim Interview spricht die gebürtige Niedersächsin, die vor allem in Frankreich und den USA lebt, ein schönes Deutsch mit sanft französischer Note und amerikanischen Einsprengseln.

SZ: Wie bereitet man sich denn auf einen Film über eine Geheimagentin im Auftrag des Mossad vor? Man kann ja vermutlich keine Spione anrufen und fragen, wie die das so machen?

Diane Kruger: Doch, das ging! Ich habe mit einigen ehemaligen Mossad-Agenten sprechen dürfen. Und ein paar Tage lang haben wir auch eine Art Agenten-Basistraining in Israel gemacht. Damit ich mich ein bisschen einarbeiten konnte, wie sich dieses Leben anfühlt.

Zum Beispiel?

Ich habe einen falschen Pass mit anderem Namen bekommen und sollte damit am Flughafen von Tel Aviv einreisen. Das ist natürlich kein spektakulärer Stunt, und ich wusste ja, dass sich die Sache notfalls aufklären ließe. Aber ich hatte doch ein gewisses Herzklopfen, schon mit diesem Sicherheitsnetz, und da kann man sich dann gut vorstellen, wie nervös man wird, wenn man ganz im Ernst in bestimmte Länder mit falschem Pass einreisen will. In Iran möchten Sie nicht an der Grenze mit einem gefälschten Ausweis erwischt werden.

Was hat noch zur Ihrem Agentinnentraining gehört?

Ich sollte einen wildfremden Menschen auf der Straße ansprechen und ihn dazu bringen, mich von A nach B zu bringen. Sehr merkwürdig. Noch komischer hat es sich angefühlt, bei einer fremden Person an der Tür zu klingen und sie zu überzeugen, dass man reinkommen und auf den Balkon gehen darf. Von dort aus habe ich dann dem Filmteam gewinkt, um zu beweisen, dass ich es geschafft habe. Das fand ich alles sehr unangenehm, einfach irgendwelchen armen, freundlichen Menschen ins Gesicht zu lügen, dass könnte ich unmöglich als Beruf machen.

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Leuten etwas vorzumachen ist doch Ihr Job als Schauspielerin, damit verdienen Sie Ihr Geld!

Das stimmt. Aber wenn mir jemand eine Lüge nicht abnimmt, hält mir deshalb keiner eine Waffe an den Kopf. In der Schauspielerei geht es nicht um Leben oder Tod. Außerdem kann ich nach Drehschluss die Rolle ablegen und nach Hause gehen. Wenn Sie als Agent in ein anderes Land eingeschleust werden, kann das jahrelang so gehen mit dem Leben in einer anderen Identität.

Gewöhnt man sich als Schauspielerin eigentlich daran, dass einen beim Drehen 100 Crewmitglieder anglotzen, während man eine intime Szene meistern soll?

Es geht mittlerweile zumindest besser als am Anfang meiner Karriere. Da hatte ich große Schwierigkeiten, den Zirkus drum herum auszublenden. Aber es bleibt nach wie vor merkwürdig, von 100 Menschen angestarrt zu werden, während man jemanden küsst.

"Die Agentin" entstand teilweise an Originalschauplätzen. Wie waren die Dreharbeiten in Israel?

Sehr beeindruckend, aber auch sehr anstrengend. Wir waren im Sommer da, Juni oder Juli, es hatte meistens über 40 Grad, bei einigen Szenen, die wir in der Wüste gedreht haben, auch über 50 Grad. Das schlaucht ganz schön. Außerdem ist die israelische Filmindustrie, was die Logistik angeht, nicht ganz so durchprofessionalisiert wie zum Beispiel in Amerika. Die Crew war vergleichsweise klein, es war ein Abenteuer.

Danach sind Sie nach Deutschland weitergezogen und haben in Leipzig gedreht.

Das war im Vergleich fast wie Urlaub!

Sind Sie noch nervös am ersten Drehtag oder legt sich das mit den Jahren?

Ich bin immer noch wahnsinnig nervös, der erste Drehtag ist meistens furchtbar. Das geht vielen Schauspielern so, und ich glaube, das wissen auch die meisten Regisseure. Deshalb werden für den ersten Drehtag eher einfache Szenen terminiert, die man später für den Schnitt braucht, zum Warmwerden. Von rechts nach links über die Straße gehen, solche Sachen. Wobei, ich habe auch schon erlebt, dass Regisseure gerade wegen dieser Nervosität gleich eine besonders schwere Szene auf den ersten Tag legen.

Bei welchem Film denn?

Bei "Leb wohl, meine Königin!" musste ich gleich am ersten Drehtag eine irre lange Szene spielen, es waren bestimmt 15 Drehbuchseiten Dialog am Stück, ein Albtraum.

Da schläft man in der Nacht davor wahrscheinlich nicht so gut.

Keine Sekunde.

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Haben Sie Rituale zur Vorbereitung?

Wenn es denn geht, genug Schlaf. Ich bin niemand, der viel ausgeht und Party macht, während ich drehe. Das geht einfach nicht, gerade wenn man die Hauptrolle hat und fast in jeder Einstellung zu sehen ist. Bei den Dreharbeiten zur "Agentin" sind die anderen oft abends essen gegangen, ich habe mich lieber ins Hotel zurückgezogen. Gut, da war ich schwanger, aber auch ohne Schwangerschaft gehe ich es während eines Drehs lieber ruhig an.

Klingt nach deutscher Zuverlässigkeit. Dann bereiten Sie sich bestimmt auch gern gründlich vor?

Oh ja, so es denn möglich ist. Bei diesem Film hatte ich vier Monate zur Vorbereitung, das ist im Filmgeschäft außergewöhnlich lang. Einmal hatte ich zwischen zwei Projekten nur eine Woche Zeit, da kommt man dann vollkommen durcheinander mit den Rollen.