Im Kino: "Der Spion":Kalter Krieger

Kinostart - 'Der Spion'

Benedict Cumberbatch als Greville Wynne in einer Szene des Films "Der Spion".

(Foto: Liam Daniel/Telepool/dpa)

Der Kinofilm "Der Spion" erzählt die Geschichte eines Elektrohändlers, der vom Geheimdienst rekrutiert wird.

Von Josef Grübl

Die Frage, ob man Regimegegner lieber vergiftet oder entführt, stellt sich in russischen Regierungskreisen nicht erst seit Nawalny oder Protassewitsch. Solche Methoden haben in Moskau oder Minsk eine lange Tradition: So schüchtert man politische Gegner ein, so zeigt man vermeintliche Stärke.

Vergiftung und Entführung erfahren auch die Protagonisten des Spionagethrillers "Der Spion", in dem es in die Sowjetunion der Sechzigerjahre geht, als Nikita Chruschtschow Partei- und Regierungschef war und die Welt kurz vor dem Nuklearkrieg stand. Die Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten, der britische Elektroartikelhändler Greville Wynne (gespielt von Benedict Cumberbatch) schrieb sie später auf.

"Jeder Russe ist ein Auge des Staates", heißt es einmal im Film

Wynne wird zu Beginn des Films vom britischen MI-6 und der CIA rekrutiert. Als Spion hat er zwar keinerlei Erfahrung, ein James-Bond-Typ ist er auch nicht. Einen solchen suchen seine Auftraggeber aber gar nicht: Sie wollen einen unauffälligen Geschäftsreisenden nach Moskau schicken, der dort den sowjetischen Geheimdienstmitarbeiter Oleg Penkowski treffen soll. Die beiden Männer verstehen sich, die Gefährlichkeit ihrer Mission ist ihnen bewusst und schweißt sie noch mehr zusammen. Schon bald bezeichnen sie sich als Freunde, die für den anderen alles tun würden. "Jeder Russe ist ein Auge des Staates", heißt es einmal. Deshalb bleiben sie auch nicht lange unentdeckt - womit wir wieder beim Thema Vergiftung und Entführung wären.

Regisseur Dominic Cooke ist ein bekannter britischer Theatermann, er war künstlerischer Leiter des Royal Court Theatre, mit der Adaption des Ian-McEwan-Romans "On Chesil Beach" debütierte er 2017 als Filmregisseur. Visuell orientiert er sich am gängigen Sixties-Spionage-Look, allerdings in der Ostvariante: Es wirkt alles ein bisschen grauer. Sehenswert ist der Film allein schon seiner Jedermann-Story wegen. Es sind eben keine coolen Agenten oder heroischen Widerstandskämpfer, die unglaubliche Abenteuer erleben, sondern einfache Leute, die um ihr Leben kämpfen. Der in Deutschland oft im Fernsehen eingesetzte Merab Ninidze gibt den innerlich zerrissenen Penkowski, der Schlimmes verhindern will und trotzdem Angst vor den Konsequenzen hat. Und wie Hollywoodstar Cumberbatch die Fassade des steifen Briten bröckeln lässt, ist ohnehin eine Klasse für sich.

The Courier, GB/USA 2020 - Regie: Dominic Cooke. Mit: Benedict Cumberbatch, Merab Ninidze, Rachel Brosnahan, Telepool Filmverleih, 112 Minuten. Ab 1. Juli im Kino.

© SZ/khil
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