Hackerangriffe Es ist Zeit, gegen digitale Attacken zu kämpfen

Die Kriege der Zukunft werden wohl vermehrt mit Computer geführt werden - auch die asymmetrischen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Denn Staaten müssen ihre Bürger vor Cyberkriegen ebenso schützen wie vor Terror, Seuchen oder Hunger. Das ist ihre neue Grundaufgabe.

Kommentar von Andrian Kreye

Kämpfe mit ungleichen Mitteln gehen selten gut aus. Bei den asymmetrischen Konflikten der Gegenwart sind es meistens die vermeintlich Stärkeren, die Verluste machen. Nationalstaaten, konventionelle Streitkräfte, Zivilgesellschaften. So ist das auch beim gegenwärtigen Angriff auf die digitale Sicherheit Deutschlands.

Käme der von einem Nationalstaat, wäre er ein kriegerischer Akt, auch wenn sich das Völkerrecht mit Fragen rund um Cyberkriegsfälle noch schwer tut. Es deutet auch viel darauf hin, dass der Angriff nicht von einem Staat oder einer Gruppe, sondern von einem aufmerksamkeitsbedürftigen Einzeltäter lanciert wurde. Was den Fall umso brisanter macht, weil er die Asymmetrie der Cyberkonflikte noch dramatischer illustriert, als es die Aufregung um unerlaubte Veröffentlichungen privater Daten und Fotos von Politikern und Prominenten erst einmal glauben macht.

Cyberangriffe überfordern gleich alle drei der staatlichen Gewalten eines Rechtsstaates. Die Exekutive tut sich schwer, solche Angriff abzuwehren, weil sie aus der Tiefe des digitalen Raums sehr plötzlich die Zentren der Gesellschaft treffen. Die Judikative steht auf verlorenem Posten, weil es bei digitalen Angriffen zum einen schwer bis unmöglich ist, Angreifer zu identifizieren. Zum anderen greifen die Gesetze immer noch zu kurz. Denn die Legislative hinkt mit ihren bedächtigen Zyklen der Konsensfindung beim gegenwärtigen technischen Fortschritt seit Jahren hinterher.

Regierungen und die Zivilgesellschaften müssen lernen, Daten zu schützen

An diesem Missverhältnis zwischen Hackern, die mit geringstem Aufwand enorm viel erreichen können, und schwerfälligen staatlichen Institutionen wird sich nicht nur nichts ändern. Es wird sich noch verschärfen. Es ist zwar nicht so, dass man sich als Einzelner nicht schützen kann. Jeder kann Computerprogramme und Handy-Anwendungen auf dem neusten Stand halten, Kryptografie benutzen und vor allem gesunden Menschenverstand anwenden. Ein großer Teil der Köder, die Hacker auslegen, um in fremde Netze einzudringen, erkennt man an den bizarren Netzadressen, windigen Anliegen oder allzu verlockenden Angeboten.

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Doch das alleine wird nicht reichen. Selbst Hillary Clintons Wahlkampfmanager John Podesta fiel auf eine Lockmail herein, die sich als Sicherheitswarnung von Google tarnte. Das erkannte nicht einmal der IT-Experte des Teams. Was dazu führte, dass brisantes Material der amerikanischen Präsidentschaftskandidatin an die Öffentlichkeit gelangte und gegen sie verwendet wurde.

Der gegenwärtige digitale Fortschritt wird es Hackern in Zukunft noch leichter machen. Künstliche Intelligenzen (KIs), also Programme, die sich automatisch selbst verbessern und eigene Strategien entwickeln, werden noch plötzlicher, noch umfassender angreifen können. Und die nächste Generation der KIs erlangt gerade Marktreife, wird also bald schon nicht nur für Forschungsinstitute und Konzerne erschwinglich sein. Dazu kommt die Entwicklung der Quantencomputer, die mit Hilfe der Quantenmechanik die Gesetze der klassischen Physik hinter sich lassen können und deswegen sämtliche Verschlüsselungsverfahren aushebeln werden, die auf klassischen Mathematikmodellen beruhen. Also derzeit alle.

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Der 20-Jährige, der die Taten gestanden hat, war am Sonntag in Hessen festgenommen worden. Er wurde bereits wieder aus der U-Haft entlassen.

Was also tun, wenn sich nicht einmal hochrangige Regierungsmitglieder der USA schützen können? Die Amerikaner haben das Internet immerhin erfunden. Wie reagieren, wenn der technische Fortschritt die digitale Welt und ihre Infrastrukturen auf der einen Seite immer effektiver und allgegenwärtiger, aber gleichzeitig immer verwundbarer macht?

Die Zivilgesellschaften werden sich im digitalen Raum auf asymmetrische Kriege ohne Ende einlassen müssen. Auch da kann man sich an der jüngeren US-Geschichte orientieren. Niemand erklärt nichtmilitärischen Gegnern so gerne den Krieg wie amerikanische Präsidenten. So wie Lyndon B. Johnson 1964 der Armut, Richard Nixon 1972 den Drogen, George W. Bush 2001 dem Terror. Bei keinem dieser Konflikte ist ein Ende in Sicht. Gekämpft wird trotzdem.

Auch Cyberkriege müssen Nationen und Gesellschaften ohne Aussicht auf Sieg führen. Regierungen stehen trotzdem in der Pflicht, ihre Bürger vor digitalen Angriffen mit dem mindestens gleichen Aufwand zu schützen wie vor Terror, Seuchen oder Hunger. Das ist eine neue Grundaufgabe des Staates.

Langfristig wird digitale Bildung essenziell. Dafür gäbe es schon Wege. Nicht nur die Schulen sind in der Pflicht, auch die Öffentlich-Rechtlichen. Statt alle paar Wochen über "Nepper, Schlepper, Bauernfänger" aufzuklären, wäre eine tägliche Erklärung der Methoden der "Hacker, Doxxer, Phishing-Mailer" hilfreich. Nur aufgeklärte Nutzer können für Sicherheit sorgen.

Ein erster Schritt aber muss ein offizielles Bekenntnis sein, dass sich sämtliche Zweige der Regierung der Gefahr nicht nur bewusst sind, sondern sie aktiv und bis in alle Zukunft bekämpfen werden.

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