Bundesverdienstorden:Was ne Gästeliste!

Lesezeit: 2 min

Bundesverdienstorden: Auf der Gästeliste - und frisch mit Bundesverdienstorden ausgezeichnet: Annette Humpe, Otto Waalkes und Rainald Goetz (vl.l.n.r.)

Auf der Gästeliste - und frisch mit Bundesverdienstorden ausgezeichnet: Annette Humpe, Otto Waalkes und Rainald Goetz (vl.l.n.r.)

(Foto: dpa)

Allein deshalb würde man den Tag der deutschen Einheit gern im Schloss des Bundespräsidenten feiern. Wo kommen schon mal Annette Humpe, Otto Waalkes und Rainald Goetz zusammen?

Glosse von Marie Schmidt

Die Gästeliste ist der Wahnsinn und so müssen wir neidvoll gestehen, dass die Party, mit der wir jetzt am liebsten den Tag der deutschen Einheit einläuten würden, im Schloss des Bundespräsidenten steigt. Allerdings schon um 11 Uhr, was eine riskante Zeit für festliche Getränke ist, weil danach entweder der Tag durch ein Mittagsschläfchen unschön zerrissen wird oder man durchmachen muss bis Mittwoch früh.

Vor dieser Entscheidung stehen nun Menschen, die wir uns an einem Tisch nur erträumen können: Eingeladen, um ihnen das Bundesverdienstkreuz anzuheften, hat Frank-Walter Steinmeier nämlich nicht nur Dr. Dr. Rainald Goetz, Otto Waalkes und Barbara Vinken, Professorin für Literaturwissenschaften und Eleganz.

Dazu kommen: Heike Prieß, die, so das Bundespräsidialamt "gute Seele der Jugend Brassband Quickborn", die Vorsitzende des Kunstvereins Hannover Ellen Lorenz, der Bitterfelder Galerist Ralf Becker. Sowie Christian Brückner, die deutsche Stimme von Robert de Niro, Anette Humpe, die Stimme der Neuen Deutschen Welle, Neo Rauch, François Ozon, Hans Zimmer und Wolfgang Tillmans. Die Bratschistin Tabea Zimmermann, der Ex-Kulturstaatsminister Michael Naumann, die Schauspielerin Julia Jentsch und der Sternekoch Christian Bau. Wir können die Liste hier nicht vervollständigen, jedenfalls werden 13 Bürgerinnen und 16 Bürger, jeweils namhafte, geehrt. Ein Problem, das bei ähnlichen Anlässen häufig beklagt wird, hat die deutsche Kultur, wie wir hier wahrlich sehen, nicht: mangelnde Vielfalt.

Eine gute Nachricht, gerade was das Verdienstkreuz angeht. Wie wir uns noch erinnern, gelang es nur durch die beherzte Einführung einer Quote im Jahr 2006, allein den Frauenanteil unter seinen Trägern auf jährlich 30 Prozent hinaufzusetzen. Bei der Gelegenheit fällt allerdings auf, dass in letzter Zeit deutlich weniger Menschen den Orden bekommen, nämlich im Jahr 2017 nur mehr 1064 Personen im Vergleich zu 2417 im Jahr 2007. Die übergibt der Bundespräsident nicht immer persönlich, im Alltag werden die Orden von Ministerpräsidenten, Bürgermeistern und ähnlichen Amtspersonen überreicht. Umso erhebender für die Festgemeinde, die heute unter dem Motto: "Kultur verbindet!" im Bellevue feiert.

Allein der Wimmelbuchautor Ali Mitgutsch kann, wie bekannt wurde, aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen. Er ließ aber ausrichten, er freue sich über den Orden, und dass seine Botschaft, "dass wir zwar in keiner heilen, aber in einer heilbaren Welt leben" immer noch verstanden werde.

Zur SZ-Startseite
Christopher Street Day in München, 2017

US-Politologe über Identität
:Wer sein Land verändern will, muss sich mit ihm identifizieren

Der US-Politologe Mark Lilla sieht die Schwäche der Linken darin, dass sie jedes Nationalgefühl als Rassismus stigmatisiert. Statt Snobismus fordert er konkrete Politik.

Lesen Sie mehr zum Thema