Buchtipps der SZWas soll ich im Sommer lesen?

Für alle, die noch nicht wissen, welches Buch sie in den Urlaub mitnehmen sollen - hier die Empfehlungen der SZ-Redaktion.

Harper Lee: Gehe hin, stelle einen Wächter

Als junger Anwalt verteidigt er einen Schwarzen, der wegen Vergewaltigung angeklagt ist, und zieht damit Wut, Spott und Verachtung der ganzen Stadt auf sich. Nur seine Tochter "Scout" bewundert ihn für seinen Mut. Doch als sie zwanzig Jahre später von New York in ihre Heimat nach Alabama zurückkehrt, entdeckt sie in ihrem Vater Atticus Finch plötzlich einen kleinkarierten, verbissenen Rassisten. Wer nach den tödlichen Schüssen von Falcon Heights, Baton Rouge und Dallas versucht, den Rassenhass in den Vereinigten Staaten aus der Geschichte des Landes heraus zu verstehen, liest unruhig und fasziniert "Gehe hin, stelle einen Wächter". Das Buch, das fast fünfzig Jahre lang verschollen war und erst 2014 wiederentdeckt wurde, erzählt vom alltäglichen Rassismus in den Südstaaten der Fünfzigerjahre und knüpft an Harper Lees Welterfolg "Wer die Nachtigall stört" von 1960 an, der lange für ihr einziges Werk gehalten wurde. Verstörend, witzig, ernst, kurzweilig - alles auf einmal ist dieser Roman. Wunderbar, dass das "Wächter"-Manuskript kurz vor Harper Lees Tod in diesem Frühjahr noch gefunden wurde. Von Wolfgang Krach

Bild: DVA 17. Juli 2016, 13:232016-07-17 13:23:40 © SZ vom 16.07.2016/cag