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Neuer Fund:Agentenfutter

Harper Lee

Die Autorin Harper Lee.

(Foto: Dana Mixer/dpa)

Ein weiterer unbekannter Text von Harper Lee aus der Zeit vor "Wer die Nachtigall stört" ist gerade aufgetaucht: Er wurde für ein Magazin verfasst, das sich an ehemalige FBI-Beamte richtete.

Noch etwas Neues von Harper Lee, der Erfolgsautorin des amerikanischen Klassikers "Wer die Nachtigall stört". Nicht wirklich neu, aber neu entdeckt. Im September 2014 war das Manuskript des frühen, noch vor der "Nachtigall" geschriebenen, damals aber vom Verlag abgelehnten Romans "Gehe hin, stelle einen Wächter" gefunden und unter mächtigem Hype im Sommer 2015 publiziert worden. Nun hat, wie im Guardian berichtet wurde, der Harper-Lee-Biograf Charles J. Shields einen weiteren unbekannten Text gefunden - erschienen wenige Monate vor der "Nachtigall", in der Märzausgabe 1960 von Grapevine, der Zeitschrift der Gesellschaft ehemaliger FBI-Agenten. Ein fachkundiger kleiner Artikel, für ein Fachpublikum geschrieben. Er behandelt den aufsehenerregenden Mord an der Farmerfamilie Clutter in Kansas - die Eltern und zwei Kinder waren in ihrem Haus erschossen wurden.

Shields hatte für die Neuausgabe der Biografie - Harper Lee war am 19. Februar 2016 mit 89 Jahren gestorben - nochmals ein wenig nachgebohrt und war auf eine Kolumne in der Zeitung Garden City Telegram gestoßen, mit dem Hinweis auf einen Artikel in Grapevine über den Kriminalbeamten, der bei der Aufklärung entscheidend mitarbeitete - ein Ex-FBI-Mann - und darauf, dass Nelle Harper Lee, die junge Autorin, ihn geschrieben habe. Der Text selbst war namentlich nicht gezeichnet, aber Charles J. Shields entdeckte Details darin, die nur Harper Lee und ihr Kollege Truman Capote kennen konnten.

Mit Capote, ihrem Jugendfreund aus Alabama, war Harper Lee von New York nach Kansas gefahren, um den Mordfall für einen Artikel Capotes im New Yorker zu recherchieren - daraus entstand später Capotes literarische Reportage "In Cold Blood". War der Grapevine-Text ihrerseits ein Versuch, ein wenig von der Spannung um das grausame Verbrechen abzubauen? Und wollte Harper Lee dem Kollegenfreund nicht die Schau stehlen und hat deshalb ihren Namen zurückgehalten - bei einem Beitrag in einem Insider-Blatt? Grapevine jedenfalls will den nun mit Nachruhm versehenen Text in der nächsten Nummer noch einmal drucken.