Als die Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron vor drei Jahren in Berlin ihren Siegerentwurf für das Museum des 20. Jahrhunderts am Kulturforum vorstellten, nannten sie den Bau einen "Tempel", einen "Ort der Stille und des Nachdenkens". Sie sprachen auch von "einem Ort der Vorräte und der Nahrung wie ein landwirtschaftlicher Betrieb". Wie bescheiden!, dachte man. Und bescheiden, protestantisch wirkte der Entwurf tatsächlich, der sich - wenn auch sehr raumgreifend - zwischen zwei Architekturikonen zwängt: Mies van der Rohes Neue Nationalgalerie und Scharouns Philharmonie. Die zwei Megastars des Bauens, die kurz zuvor mit der Elbphilharmonie ein himmelstürmendes und 866 Millionen Euro teures Luxusprojekt abgeschlossen hatten, wirkten architektonisch und rhetorisch wie geläutert. Dass man ihren Entwurf auch als "Aldi" und als "Bierzelt" verunglimpfte, "müsse man aushalten", erklärte Herzog weise.
Berliner MuseumDer 600-Millionen-Euro-Bau
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Das "Museum des 20. Jahrhunderts" galt als bescheidenes Gegenmodell zu Elbphilharmonie und Humboldt-Forum. Wieso sich die Kosten nun wohl verdreifachen werden.
Von Jörg Häntzschel
