Ausstellung zur Aufklärung in Peking Flaschenpost nach China

Die deutsche Ausstellung in Peking ist keine "Alibi-Veranstaltung". Auch nach der Verhaftung des Bürgerrechtlers Ai Weiwei wäre es falsch, sie zu schließen. Denn Abbrechen ist so doof wie verbieten.

Ein Gastbeitrag von Tilman Spengler

Tilman Spengler ist Autor und Sinologe. Für den Besuch der Ausstellung zur Kunst der Aufklärung in Peking bekam er kein Visum. Er hatte eine Laudatio auf den Bürgerrechtler Liu Xiaobo gehalten.

Die Ausstellungsstücke sind Botschaften an China. Wir dürfen unseren Kollegen vor Ort zutrauen, dass sie diese Aufgabe wahrnehmen: Schiller-Büste in der Ausstellung "Kunst der Aufklärung" in Peking.

(Foto: dapd)

Mit staatlicher Verfolgung kennt man sich aus in der Familie Ai. Den Vater von Ai Weiwei, den berühmten Dichter Ai Qing, verbannten die zuständigen chinesischen Behörden schon 1959 gleich für zwanzig Jahre in die Westregionen des Reiches. Was jetzt dem Sohn droht, das können wir nur befürchten. Schon die Umstände seiner Festnahme lassen nichts Gutes vermuten, und der offizielle Satz "das Gesetz darf nicht als Schutzschild für Unruhestifter missbraucht werden", klingt böse vertraut nach jenem Sprachmix, den sich Diktaturen gern bei George Orwell besorgen.

Stellt sich nur die Frage: Was soll das Ganze? Vor wem hat diese kommunistische Partei denn eine solche Panik? Gewiss, es nehmen im Land die Unruhen zu, doch wer sich die Menage an Geld und Personal vor Augen hält, welche die chinesische Regierung für sogenannte Sicherheitsmaßnahmen, für den "gemeinsamen Frieden" bereitstellt, der weiß: Hier wird jeder Funken ausgetreten, lange bevor er auch nur zu einem kleinen Steppenbrand werden kann. Und von Künstlern und Intellektuellen, das muss mit allem großen Respekt vor dem Werk des Ai Weiwei und den Schriften des Liu Xiaobo gesagt werden, von Künstlern und Intellektuellen droht diesem Regime keine Gefahr, dazu ist im Land die Aversion vor allem Politischen noch viel zu weit verbreitet.

Und international? Wen möchten die Herrscher im Politbüro beeindrucken? Die Diktaturen, auf deren Rohstoffe sie begehrliche Blicke geworfen haben? Die wissen selber, wie sie mit Oppositionellen zu verfahren haben. Und in den westlichen Demokratien kann man für jede Verhaftung eines chinesischen Bürgerrechtlers getrost drei Konfuzius-Institute schließen. Die Symbolsprache der schäbigen Gewalt wirkt dort in China allemal eindrucksvoller.

Auf die Intellektuellen ist also Verlass, Aber wir sollten auch deren Bedeutung nicht überschätzen. Wichtiger sind da schon die Vertreter der Wirtschaft. Und deren Protest gegen Menschenrechtsverletzungen in der Volksrepublik ist bislang nicht einmal hinter einer vorgehaltenen Hand vernehmbar, Geschäft bleibt nun einmal Geschäft, man nennt das wohl Wirtschaftsliberalismus.

Die Festnahme Ai Weiweis erfolgte gleichsam synchron mit der Abreise unseres Außenministers, der in Peking die große Kulturausstellung "Die Kunst der Aufklärung" eröffnet hatte. Manche Beobachter konstruieren da einen Zusammenhang, sozusagen die Aufklärung zur Aufklärung. Das kann, das muss sich aber nicht so verhalten haben: Der chinesische Repressionsapparat ist souverän genug, sich seine Terminpläne selber einzurichten.

China: Ai Weiwei

Vom Künstler zum Staatsfeind - und zurück?