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ARD: Verstehen Sie Spaß?:Frank Elstner und die "Bimbo-Box"

Zum Abschied blies er noch mal "den Angriff auf die Lachmuskeln": Showmaster Elstner verlässt eine angejahrte TV-Institution.

Früher standen in Kaufhäusern gläserne Kisten, in denen sechs bis zehn mit allerlei Musikgerät ausgestattete Stoffäffchen auf den Einwurf von Zehn-Pfennig-Münzen warteten und dann ein Heidenspektakel veranstalteten.

Er trimmte die ganze Show auf die Siebziger Jahre, bei der Musik wurde mitgeklatscht, als könnte es den Klimawandel stoppen.

(Foto: Foto: ddp)

"Bimbo-Box" hießen im Schausteller-Slang solche Einrichtungen der Vorvideospielzeit, die sich vor allem durch absolute Berechenbarkeit auszeichneten. Heute findet man die meisten dieser Boxen in Museen. Eine dieser antiken Kisten scheint sich allerdings der Südwestrundfunk gesichert zu haben.

Die Äffchen in der "Bimbo-Box"

In ihr bewahrt er die Show "Verstehen Sie Spaß?" auf und stellt sie ein paar Mal im Jahr im Ersten zur Schau. Da muss der Gebührenzahler dann nur noch ein bis zwei Millionen Euro einwerfen - und schon startet etwas, das in der ARD immer noch unter großer Samstagabendshow rangiert, in Wahrheit aber nicht mehr Variation bietet als die Äffchen in der "Bimbo-Box".

Da geht man harmlosen Bürgern und öffentlichkeitswilligen Prominenten gehörig auf den Nerv und lichtet sie dabei mit versteckter Kamera ab. Die Ergebnisse heißen dann lustige Filme, egal, ob es etwas zu lachen gibt, was selten der Fall ist, oder die Nerverei einfach nur nervt, was die Regel ist.

Dazu gesellen sich Komödianten, die so gänzlich unbegabt sind, dass man es schon als Kunst bezeichnen darf, solche Gestalten überhaupt entdeckt zu haben. Um diese sonst nur für beschwipste Karnevalisten erträglichen Randbegabungen, die mal Bernd Stelter, mal Bodo Bach, heißen, in ein etwas besseres Licht zu stellen, lädt man sich noch die üblichen Verdächtigen aus der Schlagerszene und ein paar laienhafte Witzeerzähler ein, die offiziell um den Titel "Witzbold des Jahres" kämpfen. In Wahrheit ist das alles so lustig wie ein Schuss ins Knie.

Im Mittelpunkt steht ein Mann, der wie kein anderer für das steht, was die deutsche Show einst groß gemacht hat. Frank Elstner hat schließlich nicht nur "Wetten, dass...?" und gefühlte 500 andere Fernsehshows erfunden, er hat auch das nach den Einsätzen von Harald Schmidt, Dieter Hallervorden und Cherno Jobatey am Boden liegende Format wieder auf Kurs gebracht.

"Bieder" ist noch unter untertrieben

Gelungen ist ihm das in den vergangenen sieben Jahren, indem er einfach alles auf Siebziger Jahre getrimmt hat. Die Musik, die Witze, die Moderationen - alles atmet den Geist von ganz früher. Wer solch eine komplett verschnarchte Show nur "bieder" nennt, müsste im Gegensatz den Musikantenstadl als Punk-Veranstaltung adeln.

Elstner kennt die Showszene seit immer und er weiß, dass es eine Klientel gibt, die beim Fernsehen vor Überraschungen geschützt werden will. Genau deshalb kann er sich auch Moderationen leisten wie "Jetzt blasen wir zum Angriff auf ihre Lachmuskel"" oder: "Es kommt zu einer Art Höhepunkt des Abends". Da heißt die Musik noch "Showelement", und beim Refrain wird mitgeklatscht, als könnte man damit den Klimawandel stoppen.

Nun ist der Retter Elstner abgetreten. Nicht ohne vorher noch seine Kumpels von der Bild am Sonntag gefühlte zehn Mal und damit mindestens fünfmal zu oft als Sponsor des Preisgeldes zu nennen. Übernehmen wird Guido Cantz, ein blondierter Ganzjahreskarneval auf zwei Beinen.

Rekapitulation des ewig Gleichen

Den müsste man normaler Weise fürchten, weil er zu denen gehört, die durch jegliche Abwesenheit von Haltung das deutsche Fernsehen so bejammernswert schlecht machen. Bei "Verstehen Sie Spaß?" kann er indes kaum Schaden anrichten, denn bei der Rekapitulation des ewig Gleichen ist der Moderator nur eine Randfigur.

Am Samstag haben sich 5,42 Millionen Zuschauer den reichlich unspektakulären Abschied von Frank Elstner, der dem Fernsehen ja mit etlichen anderen Sendungen erhalten bleibt, angetan. Rechnet man mal sehr niedrig mit rund einer Million an Produktionskosten für solch ein Großereignis, kommt man auf rund 18 Cent, die für jeden Zuschauer ausgegeben wurden.

Vergleicht man solch einen Wert mit dem Einsatz, der früher für die Aktivierung einer Bimbo-Box notwendig war, sieht das Ergebnis inflationsbereinigt gar nicht mal so furchtbar aus. Fernsehen ist manchmal eben auch, was die Menschen wollen.