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Architektur:Es braucht mehr offene, transparente Architektenwettbewerbe

Zur Erinnerung: Durchgeführt wurde in München zum Bau des Konzertsaals das, was Experten als "Planungswettbewerb innerhalb des Vergabeverfahrens der VgV" bezeichnen, wobei die VgV die Vergabeverordnung ist, also die "Verordnung über die Vergabe öffentlicher Aufträge". Das alles hört sich schon schlimm genug an. Gemeint ist eine Konkurrenz bereits namhafter Büros, an der sich im Gegensatz zu offenen Verfahren nicht alle Architekten beteiligen dürfen. Es ist ein Wettbewerb mit Numerus clausus, wobei die Beschränkung dazu führen kann, unliebsame Kandidaten gezielt vor der Tür zu lassen.

Wobei es auch den umgekehrten Fall gibt. In einem ganz ähnlichen (wenn auch nach der älteren Vergabeordnung für freiberufliche Leistungen, VOF, durchgeführten) Wettbewerb mit Zulassungsbeschränkung wurde zuletzt etwa der Entwurf von David Chipperfield zum Sieger erkoren. Chipperfield soll nun, ebenfalls in München, das Haus der Kunst sanieren. Er soll von vorneherein der Wunschkandidat gewesen sein. Waren Mitbewerber also im Grunde chancenlos?

Wettbewerbe sollten grundsätzlich offen sein - und geschlossen nur für unwürdige Mauscheleien

Dass die nicht-offenen Verfahren, bei denen der Auslober nach je eigenen Kriterien das Feld der Konkurrenz gestalten darf, in die eine oder andere Richtung offen sind für manipulative Energien, ist in der Branche schon lange ein ziemlich offenes Geheimnis. Das ändert aber nichts daran, dass die Bauherrenseite immer wieder davon Gebrauch macht. Beschränkt waren in diesem Sinn auch die Wettbewerbe zur Rekonstruktion des Berliner Stadtschlosses oder zum Museumsprojekt am Kulturforum. Gegen das eine Verfahren wurde, gegen das andere wird vermutlich noch geklagt.

Fast müsste man also zum Ergebnis kommen, der Bau der Elbphilharmonie in Hamburg stelle wohl den Idealfall dar: Die Architekten des grandiosen Bauwerks, Jacques Herzog und Pierre de Meuron, wurden einfach ohne jeden Wettbewerb direkt beauftragt - wie einst im Absolutismus. Leider war das ein Verstoß gegen das europäische Vergaberecht, und insofern verbietet sich der Schluss denn doch, auch wenn Hamburg ein Happy End erlebte. Naheliegender ist der Schluss, wieder mehr offene, transparente Architektenwettbewerbe mit unbegrenztem Zugang zu fördern. Das würde nicht nur jüngeren, weniger arrivierten Talenten entgegenkommen, sondern auch jüngere und ungewöhnlichere Ideen in die Architektur tragen.

Als Günter Behnisch in den Sechzigerjahren dank einer kühnen Jury den allseits offenen Wettbewerb zum Bau des Münchner Olympia-Areals gewann, war er nahezu ein Niemand in der Architektur. Und vom Projekt wusste niemand, ob man es überhaupt würde realisieren können. Das Ergebnis: herausragende und heute weltbekannte Baukunst. So müssen Wettbewerbe sein. Offen. Und geschlossen nur für unwürdige Mauscheleien.

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