Trinkwasserschutz:Lebenswichtig - also nichts für privaten Profit

Trinkwasserschutz: Wasser wird kostbar - und löst Verteilungskämpfe aus. Leser wünschen sich mehr Trinkwasserschutz.

Wasser wird kostbar - und löst Verteilungskämpfe aus. Leser wünschen sich mehr Trinkwasserschutz.

(Foto: Florian Peljak)

Leser fordern, in Zeiten knapper werdenden Wassers mehr für dessen Schutz zu unternehmen - und die Ressourcen nicht in Firmenhände zu geben.

"Angriff auf Trinkwasserschutz" vom 23. März:

Vorrang für Wasserschutz

Sicher kann man sich über den Sinn und Unsinn von Vorrang- und Vorbehaltsflächen in der Regionalplanung streiten, die eigentlich nur für Rohstoff abbauende Firmen einen gewissen, wenn auch zweifelhaften Nutzen haben. Aber diese erneute Diskussion über den Trinkwasserschutz - angestoßen einmal mehr und mit schöner Regelmäßigkeit (circa alle zwei Jahre) von Akteuren aus der CSU und ihren Mehrheitsbeschaffern, den "freien" Wählern, die sich zum Teil aus erklärten Wasserschutzgegnern, zum Beispiel in Unterfranken, zusammensetzen - zeugt doch von einer Ignoranz und einem willfährigen Populismus der CSU, der erschreckend ist und weit über die Diskussion über das Landesentwicklungsprogramm (LEP) hinausgeht. Es geht einmal wieder grundsätzlich um den Trinkwasserschutz.

Die Beamten müssten sich schon auch einmal daran gewöhnen, dass sie den Bürgern nicht einfach in die Tasche langen dürften. So die Strauß-Tochter Monika anlässlich einer Petition, mit der eine Gemeinde die voreilig gezahlten 500 000 Euro als "Entschädigung" an einen Pseudo-Unternehmer, von dem sie sich ohne Not hatte über den Tisch ziehen lassen, vom Staat wiederhaben wollte. Als ob sich Beamte dabei in irgendeiner Weise bereichern könnten.

Nein, es fällt nicht leicht, die Verschwurbelungen solcher Gedankengänge nachzuvollziehen. Außer man lebt in einer Welt, in der es üblich ist, schon für die Nennung einer Telefonnummer fette Provisionen zu erhalten. Oder man glaubt an ein schönes Geschäftsmodell: Behauptete geplante Investitionen seien ins Wasser gefallen, weil die Gemeinde ein neues Wasserschutzgebiet veranlasst habe. Und weil die Schutzgebiete vom Freistaat ausgewiesen werden, müsse der, nach Ansicht des Bürgermeisters, auch zahlen. Wofür auch immer.

Wer es immer noch nicht gemerkt hat: Schon vor der Jahrtausendwende, also seit etwa 30 Jahren konnten Wissenschaftler nachweisen, dass sich etwas tut im Niederschlagsgeschehen Bayerns. Zumindest eine Verschiebung von Sommer- und Winter-Niederschlag. Nicht so dramatisch, dass die Flüsse kein Wasser mehr haben würden - aber selbst das scheint mittlerweile ja möglich.

Im Hinblick auf den notwendigen Trinkwasserschutz werden wir in Zukunft eher verstärkt handeln müssen. Um die Ressourcen, die wir haben, nicht aufs Spiel zu setzen.

Und seit Fukushima wissen wir, dass technische Aufbereitung keine Lösung ist. Weil mit dem Stromausfall nach der Reaktorkatastrophe auch keine Aufbereitungsanlagen mehr liefen, schafften es die Isotope aus dem Fallout vom Oberflächenwasserspeicher bis ins Trinkwasser von Tokio. Wir werden in Zukunft sehr viel mehr Aufmerksamkeit für den Grundwasserschutz benötigen. Je weniger Grundwasser zur Verfügung steht, desto mehr! Unser Problem in Mitteleuropa heißt noch nicht Wasser an sich, sondern trinkbares Wasser! Und dazu gehört natürlich auch Mineralwasser, das aber an zweiter Stelle hinter dem Trinkwasser. Und die Entnahmen für Mineralwasser sind beim genauen Hinsehen sowieso eher gering im Vergleich mit den Entnahmen für Trinkwasser. Für mich ist das eher eine Scheindiskussion.

Wir täten hingegen sehr gut daran, unser Trinkwasser mit dem gebotenen und echten "Vorrang" zu behandeln, satt populistisch auf "Augenmaß" zu setzen. Denn wenn ein CSU-Politiker den Begriff "Augenmaß" in den Mund nimmt, müssen alle Alarmglocken läuten.

Dr. Horst Häußinger, Gauting

Hände weg vom Privatisieren

Die Pläne von CSU und Freien Wählern sollten alle Wählerinnen und Wähler alarmieren. Denn letztlich laufen diese Vorhaben auf einen bösartigen Plan hinaus: Die Privatisierung der Wasserversorgung. Alle, die gerade massiv unter der Inflation leiden, weil ihre Einkommen kaum zum Leben und zur gesellschaftlichen Teilhabe reichen, sollten jetzt aktiv werden. Denn wenn die Mineralwasserhersteller den gleichen Zugriff aufs Wasser haben wie die öffentlichen Wasserversorger, dann wird in Zeiten knapper werdenden Wassers der private Händler abgesichert durch entsprechende, vermutlich geheime Verträge, die Vorrang vor den Bürgerinnen und Bürgern haben. Und wir bezahlen jede Menge für jeden Liter Wasser.

Die CSU war nie die Partei der normalen Bürgerinnen und Bürger, immer ging es um andere Interessen. An diesem Vorgang wird endlich wieder mal sichtbar, wie stark diese Partei die privaten Profitinteressen Weniger vertritt, gegen die vielen, gerade in Zeiten der Klimakatastrophe verunsicherten Bürgerinnen und Bürger.

Cornelia Folger, München

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