Sprachlabor:Doppelbödigeres

Sprachlabor: SZ-Zeichnung: Luis Murschetz

SZ-Zeichnung: Luis Murschetz

(Foto: Luis Murschetz (Illustration))

Ferner der Indikativ, und wann er Unklarheit schaffen kann.

Von Hermann Unterstöger

KEINEN SATZ hört man gegenwärtig in den Nachrichten öfter als den, dass das gerade Gemeldete derzeit nicht überprüft werden könne. Diese zweifelhafte Quellenlage belegt auch der Passus über "Todeszahlen, die nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums 9000 übersteigen". Für Leser D. hört sich der durch die Quellenangabe (Ministerium) formal abgesicherte Indikativ übersteigen so an, als sei die genannte Zahl 9000 plausibel. Seiner Ansicht nach liegen die Dinge hier aber anders, als wenn man schriebe, München habe nach Angabe des Statistischen Jahrbuchs soundsoviele Einwohner. Deshalb plädiert er für den Konjunktiv überstiegen, auf dass nicht "bewusst gestreute Fehlinformationen" für bare Münze genommen würden. Kleiner Einwand: Die Form überstiegen könnte leicht als Präteritum missverstanden werden und zu den Frage führen, ob seither noch mehr Opfer gezählt worden seien.

DASS EINEM ANGRIFF "die Bahn bereitet" werden kann, hält unser Leser M. für sprachlich verfehlt: Man bereite einen Weg und breche eine Bahn. Näheres dazu vielleicht auch in Bachs Kantate für den vierten Advent "Bereitet die Wege, bereitet die Bahn!" (BWV 132).

DER ARZT Herbert Frederick Traut war Gynäkologe mit dem Interessenschwerpunkt gynäkologische Pathologie. Das sollte, wie unser Leser Dr. K. schreibt, kein Grund sein, ihn als "pathologischen Gynäkologen" zu bezeichnen und somit ungewollt als unangenehmen Zeitgenossen hinzustellen. Herr Dr. K. ist Facharzt für Innere Medizin, aber deswegen noch lange kein "innerer Doktor".

"DOPPELBÖDIGERES" hatte sich unser Rezensent von einem der ansonsten bekannt doppelbödigen österreichischen Tatorte erwartet, jedenfalls "slogantechnisch". Dem stimmt unser Leser V. insofern zu, als auch er sich das Drehbuch hätte "doppelzüngiger" vorstellen können. Um die Sache nicht noch doppelsinniger, -wandiger oder -gleisiger zu machen, sei hier konstatiert, dass sich doppelbödig eigentlich nicht steigern lässt, allenfalls und innenausbautechnisch zu dreifachbödig.

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