Sprachlabor:Fenster abgelaufen

Sprachlabor: SZ-Zeichnung: Luis Murschetz

SZ-Zeichnung: Luis Murschetz

(Foto: Luis Murschetz (Illustration))

Und: Ist der "Schlag ins Gesicht" als Bild erlaubt?

Von Hermann Unterstöger

DAS LICHTJAHR HAT ES insofern faustdick hinter den Ohren, als es so tut, als wäre es eine Zeiteinheit, vergleichbar dem Schalt- oder dem Jubeljahr. Immer wieder fallen Leute darauf herein und sagen, dass etwas "nun schon Lichtjahre" zurückliege. Dabei ist das Lichtjahr eine Längeneinheit: 9 460 000 000 000 Kilometer. Ähnlich zwiespältig präsentiert sich das Zeitfenster, von dem man annehmen möchte, es gehe nach alter Fenstersitte nur auf oder zu, lasse sich allenfalls kippen. Da es aber den Zeitraum benennt, innerhalb dessen bestimmte Dinge erledigt werden können, ist ihm unter der Hand der Rang einer Zeiteinheit zugewachsen. Bei uns manifestierte sich das in der Wendung von einem "am Freitag abgelaufenen Transferfenster", die unseren Leser P. besorgt nachfragen ließ, ob es vielleicht schon "die Mindesthaltbarkeit überschritten" habe.

EINEN "SCHLAG INS GESICHT aller SZ-Leser" nennt unser Leser H. die Verwendung der Metapher "Schlag ins Gesicht", dieser "abgedroschensten aller abgedroschenen Phrasen". Urteile wie diese kommen meist - Obacht, Phrase! - aus dem Bauch, sind also sachlich schwer zu begründen, und ob sich alle SZ-Leser ins Gesicht geschlagen fühlten, wäre erst zu eruieren. Unsere Autoren sind im Einsatz von Sprachbildern frei, sollten sich aber insbesondere beim Schlag ins Gesicht vorsehen, dass daraus am Ende nicht ein Schlag ins Wasser wird.

ALS MAGENSCHWINGER scheint unser Leser St. die Behauptung empfunden zu haben, "Breze" sei die "bayrisch-österreichische Variation" der Brezn. Da es in dem Artikel ums Oktoberfest ging und München im baierischen Dialektgefüge ohnehin irrelevant ist, begnügen wir uns hier mit Johann Andreas Schmellers "Variation", wonach "die Bretzen" (das ist kein Plural!) nicht als Breze, sondern als Brézn ausgesprochen wird.

DREI MÄNNER bilden ein Triumvirat. Was tun dann, fragt Leser H., drei Frauen? Es gibt den im Lateinischen natürlich noch nicht belegbaren Begriff Triumfeminat, doch könnte man auch Troika sagen, sofern man dabei nicht an "Pferdchen" denkt.

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