Instagram, Facebook, Twitter:Mit Mick Jagger im Regen

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Instagram, Facebook, Twitter: Mick Jagger während des Konzerts der Rolling Stones im Münchner Olympiastadion am 05. Juni. Natürlich verbreitete die SZ auf ihren Social-Media-Kanälen zahlreiche Eindrücke von diesem Ereignis.

Mick Jagger während des Konzerts der Rolling Stones im Münchner Olympiastadion am 05. Juni. Natürlich verbreitete die SZ auf ihren Social-Media-Kanälen zahlreiche Eindrücke von diesem Ereignis.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Warum den sozialen Netzwerken gerade im Lokaljournalismus eine große Bedeutung zukommt.

Von Jana Jöbstl

"Mick Jagger in München? Das müssen wir groß machen." So ähnlich war die erste Reaktion in der Themenkonferenz, als klar wurde, dass die Rolling Stones ihr erstes Deutschland-Konzert der "Sixty"-Tour im Olympiastadion spielen. Und so erschienen, als das Ereignis schließlich anstand, schon vor der Online-Meldung und viele Stunden, bevor der Bericht von dem Konzert in der Zeitung gedruckt wurde, erste Eindrücke der wartenden Fans, die trotz Starkregens auf den Einlass harrten, und Videos des ausverkauften Konzertes - auf den sozialen Netzwerken.

Inhalte der Süddeutschen Zeitung werden schon lange nicht mehr nur in der gedruckten Version verbreitet. Neben einer digitalen Ausgabe oder der Homepage gibt es eben diesen vierten, durchaus wichtigen Kanal - die sozialen Medien. Dazu gehören die drei großen Player Instagram, Facebook und Twitter, die auch von Bayern, München und den sieben umliegenden Landkreis-Ressorts der SZ befüllt werden.

Auf diesen Seiten Geschichten zu präsentieren, scheint zunächst sehr schnell und einfach zu sein. "Mal eben ein Posting machen" oder "schnell ein Video hochladen", so einfach ist es aber nicht. Auf Twitter wird der Inhalt auf maximal 280 Zeichen zusammengefasst, auf Facebook wird die Überschrift optimiert, und auf Instagram werden eigene Bildergalerien und Videos produziert. Das benötigt Kommunikation zwischen den verschiedenen Abteilungen, eine Planung schon vor dem eigentlichen Ereignis und Zeit für die optimale Umsetzung.

Inhalte auf sozialen Netzwerken werden zudem häppchenweise und mobil konsumiert. Dies hat ebenfalls Auswirkungen auf die Optik der dargestellten Inhalte, auf die Ausspielweise sowie die Themenauswahl. Werden diese Geschichten hauptsächlich auf dem Smartphone gelesen, so ändert sich das Leseverhalten von einer großen, eher vertikalen Optik, in eine kleinere, horizontale. Bilder und Texte müssen neu formatiert, gekürzt und umgestaltet werden. Dabei beschränkt sich der Inhalt nicht nur auf statische Elemente. Bewegtbild nimmt immer mehr Raum in der mobilen Nachrichtennutzung ein. So wird für jeden Inhalt individuell entschieden, inwiefern das Potenzial für die sozialen Medien ausgeschöpft werden kann.

Nähe teilen - darum geht es

Ein großer Vorteil der regionalen Berichterstattung ist die Nähe zu den Menschen und Geschichten. Interviews werden nicht nur am Telefon geführt, man trifft sich mit den Protagonisten, tauscht sich persönlich aus, lässt von der Fotografin ein Bild für die digitale und gedruckte Zeitung machen und nimmt Interviewszenen mit dem Handy für Social auf. Wir können multimedial arbeiten und tun das auch.

Bei einem großen Interview mit allen (ehemaligen) Bürgermeisterinnen in München tauschen die Frauen ihre Erfahrungen aus. Für eine Reportage berichtet ein Münchner Arzt von seinem Alltag auf der Corona-Intensivstation, und für die Rolling-Stones-Kritik wird die Stimmung eingefangen - jeweils in Text-, Bild- sowie Videoformat. Nutzerinnen und Nutzer werden mitgenommen, hinter die Kulissen geführt, erhalten einen Einblick in den Arbeitsalltag eines Journalisten oder werden Teil eines Konzertes. Diese Nähe teilen die Menschen umgekehrt auch gerne mit der SZ. Leser-Aufrufe zu kuriosen U-Bahn-Erfahrungen offenbaren die lustigsten Geschichten. Und so manch eine Direktnachricht hat schon für einen Weiterdreh eines Textes in der Zeitung gesorgt.

Wieso dieser ganze Aufwand? Wir wollen möglichst viele Menschen mit den Inhalten der regionalen SZ vertraut machen. Selbstverständlich soll jede Altersstufe angesprochen werden. Instagram, Facebook und Twitter gehören schon lange nicht mehr nur der Jugend. Es ist ein großer Fehler zu glauben, dass nicht auch ältere Menschen aktiv sind und auf Instagram und Co. Informationen rund um das tägliche Weltgeschehen nachlesen. Dennoch kann und soll das Potenzial bei der jungen Zielgruppe ausgebaut werden. Der aktuelle Reuters Institute Digital News Report 2022 zur Nachrichtennutzung verdeutlicht die steigende Bedeutung sozialer Netzwerke, insbesondere bei der sogenannten Gen Z. Zwar dominieren traditionelle Anbieter die Nachrichtennutzung im Netz, doch bei den 18- bis 24-Jährigen zeigt sich, dass soziale Medien die am weitesten verbreitete Quelle für Nachrichten sind.

Es scheint also unabdingbar, auf diesen immer noch schnell wachsenden und schnelllebigen Netzwerken aktiv zu sein, um Präsenz zu zeigen und so den Nutzerkreis zu erweitern. Und im Idealfall gewinnen wir Leserinnen und Leser, die genauso treue Fans wie die der Rolling Stones sind.

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