Sprachlabor:Gewerk und Gewerf

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(Foto: Luis Murschetz (Illustration))

Und: Sind Sondervermögen etwas für Gänsefüßchen?

Von Hermann Unterstöger

SUCHT MAN BEI GRIMM nach dem Begriff Gewerk, stolpert man leicht in das Gewerf, das einst vielerlei bedeutete, unter anderem Steuern, die man, wie oft gemault wird, dem Fiskus in den Rachen wirft. Ein ähnlicher Grauschleier haftet dem Gewerk an. Es tauchte in dem Text über eine Versammlung auf, die von "Mittelständlern, Landwirten und verschiedenen Gewerken" bestritten worden war. Leser H. wendet ein, dass mit Gewerken nur dem Bauwesen verbundene Handwerker gemeint seien, nicht jedoch Bäcker oder Köche. Präzis gesagt versteht man unter Gewerken nicht die im Bauwesen Tätigen, sondern deren handwerkliche und bautechnische Arbeiten: Rohbau, Dach, Fenster, Treppen, Fußböden und so fort. Die Grunderwerbsteuer hingegen ist ein Gewerf.

EUPHEMISMEN dienen der Beschönigung oder Verschleierung - wer je eine Ehrenrunde drehte, weiß das. Unser Leser Dr. S. schlägt den Begriff Sondervermögen ebenfalls dieser Sphäre zu. Er hält es in dem Punkt wie der Bund der Steuerzahler, in dessen Augen diese Gelder Schulden seien, die "abseits des eigentlichen Kernhaushalts verbucht" würden. Der Wirtschaftswissenschaftler Thiess Büttner spricht von einer "Flucht aus dem Budget". Was Herrn S.' Forderung angeht, das Wort nur noch mit Anführungszeichen zu schreiben und damit zu zeigen, dass die Großschuldenmacherei durchschaut ist, so halten sich die wenigsten Blätter daran, auch nicht die SZ. Das mag daher kommen, dass die Sondervermögen im Haushaltsrecht ein honoriges Leben führen, indem sie als "abgesonderte Teile des Bundesvermögens" gelten, die "ausschließlich zur Erfüllung einzelner begrenzter Aufgaben des Bundes bestimmt sind und deshalb von dem sonstigen Bundesvermögen getrennt verwaltet werden" (Wissenschaftliche Dienste des Bundestags).

UNGENAUIGKEITEN religiöser Art werden von Leserin M. strikt moniert. Die Aussage, Smetana sei "auf ,Frydrych' getauft worden", kontert sie mit der ewigen Wahrheit, dass der Christ nur "im Namen Gottes" getauft werden könne. Das Streiflicht, wo die Panne geschah, geht auf Bußfahrt.

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