Bewerbungsverfahren Mehr Zeit für Gespräche

Dabei wäre es für alle Beteiligten wichtig, dass auch der Bewerber kritisch hinterfragt, ob der Job, auf den er sich bewirbt, auch der richtige ist. Nicht nur die Stelle ist von Bedeutung, sondern vor allem auch die Unternehmenskultur. "Die meisten Kandidaten bewerben sich zu unkritisch und achten nur auf die Jobbeschreibung. Dann landen sie oftmals in einem Unternehmen, dessen Kultur ihnen nicht zusagt", sagt Pape. Die Folge: Unzufriedenheit und Überforderung bis hin zum Burn-out.

Bewerbung: Worauf Personaler achten

Assessment-Center: Schaulaufen der Bewerber

Das sieht auch Hans-Joachim Maar, Partner bei der Personalberatung Rochus Mummert, so. Der Ursprung zahlreicher Burn-out-Erkrankungen liegt seiner Meinung nach in einer unkritischen Karriereplanung. "Wer jeden Job auf der Karriereleiter annimmt, ohne in einem ehrlichen Selbstcheck zu hinterfragen, ob er von seiner Arbeits- und Denkweise wirklich dafür geeignet ist, landet schnell im fremdbestimmten Hamsterrad" sagt er. "Arbeitnehmer brauchen Distanz und müssen sich fragen, was ihnen wirklich wichtig ist", sagt er.

Wollen sie lieber in einem US-amerikanischen Unternehmen arbeiten, in dem es vielleicht mehr auf Selbstdarstellung ankommt? Oder lieber in einer japanischen Firma, wo vielleicht alles ein wenig geduldiger gehandhabt wird? Oder besser für ein mittelständisches Unternehmen, dessen Chef den persönlichen Kontakt pflegt? Entspannt sich der Bewerbungsmarkt für die Beschäftigten, sollten sie die Zeit nutzen, darüber nachzudenken.

Und die Chefs? Auch sie müssen sich umstellen, davon ist Personalberater Maar überzeugt: "Gerade die Leistungsträger unter den Angestellten hinterfragen heute regelmäßig, ob ihr aktuelles Arbeitsverhältnis noch ihren Interessen und Bedürfnissen gerecht wird. Umso mehr müssen sich Arbeitgeber bemühen, für die Beschäftigten attraktiv zu sein."

Thomas Schwartz, Professor für Wirtschaftsethik an der Universität Augsburg, plädiert in diesem Zusammenhang für mehr Wertschätzung des Menschen, der jeder Angestellte auch ist. "Eine erfolgreiche Führungskraft muss erkennen, welche Potentiale in jedem Einzelnen stecken und diese Potentiale dann auch fördern. Sie müssen entwickelt werden, sonst wird die Person unglücklich", sagt der Professor, der auch Pfarrer ist, und fügt hinzu: "Wertschätzung führt zu Wertschöpfung." Mitarbeiter, die sich ernst genommen fühlen und gefördert werden, arbeiten gut und bleiben im Unternehmen.

Um diese Förderung und gute Zusammenarbeit zu gewährleisten, müssen sich Vorgesetzte und Mitarbeiter jedoch besser kennenlernen. Von Seiten des Chefs erfordert das mehr Zeit für die Kommunikation mit seinen Mitarbeitern. "Eine Führungskraft sollte 70 Prozent ihrer Zeit damit verbringen, mit den eigenen Mitarbeitern zu sprechen", sagt Schwartz.

Aber auch die Bewerber sind gefragt, und das schon vor der Einstellung, sagt Personalberater Pape. "Kritische Fragen im Bewerbungsgespräch können bei der eigenen Entscheidung helfen. Wie gehen Sie mit Ihren Mitarbeitern um? Wie entwickeln Sie Ihre Mitarbeiter weiter? Wie sind die Entscheidungswege im Unternehmen?" Alles Fragen, die jeden Bewerber interessieren sollten. Und die Personaler, die gute und motivierte Mitarbeiter wollen, sollten offener denn je darauf antworten.

Bewerbung: Worauf Personaler achten (5)

Probezeit: "Sorry, das war wohl nix"