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Studium:Bewerber sollten nicht auf ihre Eltern hören

Obwohl immer mehr Deutsche studieren, sinkt die Arbeitslosenquote unter Akademikern. Zuletzt lag sie bei 2,4 Prozent - einen Job findet quasi jeder Hochschulabsolvent. Ist es also völlig egal, was man studiert? Um Anwalt zu werden, braucht man ein Jurastudium. Operieren dürfen nur studierte Mediziner. Aber wer mit Paragrafen und Blut im Berufsleben definitiv nichts zu tun haben will, kann nicht allzu viel falsch machen. Ein Bachelor oder Master verspricht zwar keinen studienadäquaten Job, aber relativ sicher ein Einkommen. Die allermeisten Laufbahnen sind über Umwege zu erreichen.

Ein Berufsleben ist heute so lang, dass zwei Karrieren hineinpassen. Umschulungen sind oft berufsbegleitend und ortsunabhängig möglich. Eine Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigt sogar: Wer freiwillig den Beruf wechselt, verdient langfristig mehr.

Bei der Studienwahl auf Eltern und Berater zu hören, ist nicht zu empfehlen. Das zeigt eine Untersuchung des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung unter Studienabbrechern in Baden-Württemberg. Studenten, die Ratschlägen statt Leidenschaften folgen, brechen demnach häufiger ihr Studium ab. Mehr als jeder fünfte Befragte hätte lieber ein anderes Fach studiert. Wer das, was er tut, gerne macht, hat mehr Erfolg und gewinnt Selbstbewusstsein.

Sich an anderen zu orientieren, heißt außerdem, austauschbar zu sein. Wer Betriebswirtschaft an einer Massenuni studiert und Praktika bei Konzernen absolviert hat, muss herausragend sein, um aufzufallen. Kandidaten mit Spezialwissen wecken mehr Interesse und können im Bewerbungsgespräch meist eine spannendere Geschichte erzählen.

Entscheidungen treffen wird zur Schlüsselkompetenz

"Storytelling" ist überhaupt eines der Zauberworte der Beratungsliteratur: Wer gut begründet, warum er ein Studium geschmissen und etwas ganz anderes gemacht hat, vergrößert nach Ansicht mancher Experten sogar seine Jobchancen gegenüber Bewerbern, die sich nie einen Fehler eingestanden haben.

Die Stiftung Weltwirtschaftsforum hat Personalverantwortliche und Führungskräfte global agierender Firmen gefragt, auf welche Kompetenzen sie bei Mitarbeitern künftig besonders achten würden. Im Jahr 2020 werden demnach vor allem Arbeitskräfte gefragt sein, die komplexe Probleme lösen können, kritisch hinterfragen und kreativ sind. All das können Studierende letztlich in jedem Fach lernen.

Wenn Maschinen und Produkte selbsttätig logistische Fragen klären, automatisierte Datenbanken Wissensfragen beantworten und Roboter Kranke operieren, bleiben für Menschen vor allem Aufgaben übrig, die Entscheidungen unter Unsicherheit erfordern. Mit einer mutigen Studienwahl lässt sich diese Kompetenz belegen.

© Sz.de/jup
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