Starbucks schikaniert Mitarbeiter Wer die falsche Hautfarbe hat, fliegt

Konzernchef Howard Schultz macht keinen Hehl daraus, dass er nichts von Gewerkschaften hält. Seine Mitarbeiter sollten "von Herzen daran glauben, dass ihnen das Management vertraut und ihnen mit Respekt begegnet", fordert er. "Wenn sie an mich und meine Motive glauben würden, bräuchten sie auch keine Gewerkschaften." Schultz gilt als einer der Vorzeigeunternehmer in den USA, der aus elf Coffee-Shops einen Weltkonzern machte.

1987 hatte er Starbucks für 3,8 Millionen Dollar gekauft. Fünf Jahre später brachte er das Unternehmen an die Börse. Heute beschäftigt der Konzern weltweit 130.000 Mitarbeiter, der Jahresumsatz lag zuletzt bei elf Milliarden Dollar. Starbucks ist in 50 Ländern präsent und betreibt mehr als 16.000 Filialen, meist in besten Innenstadtlagen.

Als die Expansion vor zwei Jahren ins Stocken geriet, schickte Starbucks mehr als 12.000 Beschäftigte nach Hause, über 600 Cafés wurden dichtgemacht. Im vergangenen Jahr wurden sogenannte Effizienzteams in die Filialen geschickt. Ihr Aufgabe war es dafür zu sorgen, dass die Barristas nicht mehr so viel Zeit beim Zubereiten der Kaffeespezialitäten "vertrödeln".

In den USA hat das Bild vom sozial eingestellten und umweltfreundlichen Unternehmen, das Schultz prägte, längst Risse bekommen. Seit Jahren führt Starbucks in den USA heftige Auseinandersetzungen mit einem Teil seiner Belegschaft und Gewerkschaften. Ihren Unmut haben Kritiker des Konzerns, darunter viele ehemalige Beschäftigte auf der Internetseite www.stopstarbucks.com gebündelt. Die Betreiber fordern Schultz in einer Petition mit mehr als 16.000 Unterschriften auf, endlich seinen Widerstand gegen Mitarbeitervertretungen aufzugeben.

In Videos, die etwa im Internetportal Youtube zu sehen sind, beschreiben auch ehemalige Starbucks-Mitarbeiter in den USA, wie sie von Vorgesetzten unter Druck gesetzt wurden. Einer von ihnen ist Erik Foreman, der nach eigenen Angaben gekündigt wurde, weil er Mitglied der Gewerkschaft war. Foreman ist kein Einzelfall. "Starbucks feuert Beschäftigte ohne Rechtsgrundlage, nur weil sie der Gewerkschaft angehören", sagt Marlin Osthus, Regionaldirektor der US-Bundesbehörde für Arbeitsbeziehungen (NLRB) in Minneapolis.

Die Behörde reichte vor drei Jahren auf Betreiben der Internationalen Gewerkschaft IWW Klage gegen Starbucks in 30 Fällen ein. Sie warf dem Unternehmen gewerkschaftsfeindliche Praktiken, unfairen Maßnahmen gegen Angestellte und Kündigungen unter angeblich konstruierten Vorwänden vor.

Knapp ein Jahr später wurde Starbucks verurteilt, mehr als 100 Millionen Dollar an einbehaltenen Trinkgeldern an seine Beschäftigten auszuzahlen. Jahrelang mussten Aushilfskräfte und einfache Angestellte Vorgesetzte an ihren Trinkgeldern beteiligen. Dagegen hatten sich schließlich einige Beschäftigte in einer Sammelklage gewehrt und recht bekommen.

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