Führung Führungskräfte sollten Gegner als Ansporn sehen

Einzelne Widersacher wird es wohl immer geben. Wie geht man als Führungskraft mit Gegnern um?

Das fragen mich auch Führungskräfte in der Beratung immer wieder. Es ist ganz natürlich, dass man als Mensch nicht immer auf Gegenliebe trifft. Wir haben dafür das 2-6-2 Prinzip: Wenn Sie ein Team mit 10 Personen haben, gibt es zwei absolute Fürsprecher. Die setzen sich auf Gedeih und Verderb für die Führungskraft ein. Zwei sind Negativmultiplikatoren. Die sind immer gegen sie. Und dann gibt es viele, die relativ neutral sind. Es hilft, sich ganz bewusst zu fragen: Wer sind meine Unterstützer, wie kann ich die Masse gewinnen und was kann ich den Gegnern argumentativ entgegensetzen. Ich glaube, dass Gegenworte von Mitarbeitern gut sind. Sie helfen, falsche Annahmen zu revidieren und neue Erkenntnisse zu erlangen.

Führungskräfte sollten ihre Widersacher also mehr schätzen?

Sie sollten sie als Ansporn sehen. Wenn Menschen und Ideen angegriffen werden, werden sie wahrgenommen. Und alles was man wahrnimmt, ist auch eine Wertschätzung, weil sich Menschen damit auseinandersetzen.

Es gibt bereits drei Kandidaten, die Angela Merkel als Parteivorsitzende nachfolgen wollen. Auch viele Mitarbeiter fragen sich, wie sie sich als potenzielle Führungskraft ins Gespräch bringen. Wie können sie sich Macht und Einfluss erarbeiten, bevor sie diese Möglichkeiten formell bekommen?

Einerseits über sachliche Faktoren: Jeder, der über Informationen verfügt, die andere nicht haben, hat Macht. Weil er selbst bestimmen kann, wann er Informationen weitergibt, wem er sie gibt und wann er sie zurückhält. Auch mit Expertenwissen kann ich innerhalb eines Teams zu Macht gelangen, weil andere von mir abhängen. Andererseits spielt das Zwischenmenschliche eine Rolle: Wenn Kollegen Sorgen haben und sie kommen damit zuerst zu mir, habe ich einen Vertrauensvorschuss, der mir eine besondere Position verschafft. Und aussichtsreiche Führungskandidaten sind prototypisch für das Team, sie verkörpern, wofür die Abteilung steht und was sie will.

Ist das das Problem von Merkel als Parteichefin? Angela Merkel war die CDU. Jetzt möchte die CDU nicht mehr Frau Merkel sein.

Das ist bei der Frage der Identifikation tatsächlich eine Herausforderung: Eine gute Führungskraft ist nicht nur in der Lage, den Status quo zu bestätigen, sondern das Ganze weiterzuentwickeln. Ideen zu haben, Visionen zu haben, konstruktiv nach vorne zu gehen. Natürlich hängt der Einfluss einer Leitfigur wie Merkel aber auch mit dem Erfolg zusammen. Den hat die CDU unter Merkel gerade nicht.

Die Macht übergeben kann Merkel also nicht. Kann eine Führungskraft ihrem Nachfolger trotzdem helfen?

Ja, wenn sie Größe zeigt. Ein Machtwechsel von Mensch zu Mensch geht einerseits immer mit Befindlichkeiten einher. Es geht um die Fähigkeit, Andere neben sich groß werden zu lassen. Dazu gehört, dem Nachfolger zu zeigen, wo Stolpersteine liegen. Man muss ihm aber andererseits auch die Freiheit lassen, sich selbst als Führungskraft zu etablieren, eigene Maßstäbe zu setzen und damit die Identität der Partei neu zu erfinden. Einer Marionette wird keine Macht zugesprochen.

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