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Lehren und Forschen:Was gilt für Ausland, Uni-Renommee und Publikationen?

Welche Rolle spielen Auslandsaufenthalte?

"Ohne internationale Aufenthalte können Sie heute kaum noch eine Professur erreichen", sagt Sabina Jeschke. Auslandserfahrungen im Master- und Promotionsbereich seien typisch. Eine oder gar mehrere Postdoc-Stellen an renommierten Universitäten außerhalb Deutschlands verbessern die Karrierechancen erheblich. "Ein-, zweimonatige Praktika zählen aus meiner Sicht nicht, hier findet kein Eintauchen in die Kultur statt", sagt Jeschke. Ein Semester sollte es mindestens sein, ein bis zwei Jahre seien noch besser.

Wie wichtig ist das Renommee der Universitäten?

Ab dem Masterstudium ist es ambitionierten Wissenschaftler zu empfehlen, die Wahl ihrer Universität vom Renommee abhängig machen. Dabei ist nicht die Bekanntheit der Hochschule entscheidend, sondern welches Ansehen das spezielle Fach und die Professoren in ihrer Community genießen: "In Jena ist zum Beispiel die Optik in der Physik sehr, sehr stark. Wenn man da herkommt, hat man an besonders guten Publikationen mitgearbeitet und ist besser vernetzt zu anderen, die auch ganz vorne mitspielen", sagt Hanna Kauhaus. Sabina Jeschke nennt ein weiteres Argument: "An den sehr renommierten Unis ist die Konkurrenz durch die Kollegen typischerweise größer und das bewirkt normalerweise, dass Sie sich mehr zur Decke strecken." Wer mit dem Leistungsdruck gut zurechtkommt, könne wie in einer Aufwärtsspirale immer besser werden.

Publikationen gelten als Schlüssel zum Erfolg - was ist zu beachten?

Wichtig sind Anzahl, Bedeutung und auch die Kontinuität von Veröffentlichungen. Wie oft der eigene Name in einer Fachzeitschrift stehen sollte, ist von Disziplin zu Disziplin aber verschieden. Mathematiker beispielsweise veröffentlichen wenig, Ingenieure inzwischen relativ viel. "Ich persönlich empfehle oft: zwei Paper pro Jahr und Person - vielleicht keine ganz schlechte Orientierung", sagt Jeschke.

Wann sollten Wissenschaftskarrieristen erstmals veröffentlichen?

In den verschiedenen Disziplinen gelten unterschiedliche Regeln. Häufig arbeiten Studierende oder wissenschaftliche Hilfskräfte zunächst an Forschungsprojekten mit und stehen dann in der Reihe der Autoren, zu denen meist auch der Professor zählt. Die Erstveröffentlichung kann aber auch eine Abschlussarbeit sein: "Wenn meine Studierenden bereits in der Masterarbeit gute wissenschaftliche Ergebnisse erzielt haben, halte ich sie dazu an, daraus bereits ihre ersten Publikationen zu machen", sagt die Maschinenbau-Professorin.

Regt der Professor die Veröffentlichung an oder müssen Studierende das selbst tun?

Ein aufmerksamer Professor wird bei sehr guten Arbeiten hellhörig und schlägt seinen Studenten die Veröffentlichung vor. Sabina Jeschke rät ambitionierten Absolventen jedoch, dies auch selbst anzuregen.

Wer entscheidet über die Berufung und wie sieht das Verfahren aus?

In der Berufungskommission sitzen Mitglieder der Fakultät, an der ein neuer Professor berufen werden soll: Professoren, Wissenschaftler, Studierende und nichtwissenschaftliche Mitarbeiter. Dazu kommen Vertreter bestimmter Gruppen wie Frauen- oder Behindertenbeauftragte. "Mitglieder anderer Fakultäten oder Universitäten können dazukommen, um eine möglichst große Objektivität des Verfahrens zu gewährleisten und gewisse 'Inzuchteffekte' zu vermeiden", sagt Sabina Jeschke. Vor diesen etwa acht bis 20 Leuten müssen die Kandidaten "vorsingen". So nennt man an den Unis den wissenschaftlichen Fachvortrag im Rahmen der Bewerbung. Häufig steht dieser auch anderen Interessierten offen. "Anschließend gibt es eine öffentliche Fragerunde und eine Art Bewerbungsgespräch hinter verschlossenen Türen", sagt Hanna Kauhaus. Zusätzlich kann eine Lehrprobe vor Studierenden verlangt werden.

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