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Arbeit:Geld ist nicht alles

Welchen Job soll ich machen? Viele Arbeitnehmer achten darauf, ob sich Firmen für Umwelt einsetzen.

(Foto: Nik MacMillan/Unsplash)

Für viele Deutsche ist wichtig, dass der Arbeitgeber Werte vertritt. Das zeigt eine Umfrage. Sie zeigt auch, wie selten das gelingt: Jeder fünfte hat schon einmal Mobbing erlebt.

Mitarbeiter und Vorgesetzte sind sich nicht immer einig darüber, was der eine vom anderen erwarten kann - ein Problem, so alt wie die Arbeitswelt an sich. Wenn die Gesundheit von Arbeitnehmern leidet, ist der genaue Blick auf Anspruch und Wirklichkeit besonders nötig. Einer aktuellen Umfrage zufolge empfindet ein Drittel der Arbeitnehmer ihren Job als seelisch belastend - kein gutes Zeichen.

Durchgeführt hat die Studie das Karriereportal Monster. Befragt wurden 4500 Beschäftigte in acht Ländern, darunter in Deutschland, die Angaben zu ihrer Arbeitssituation machten. So sagen hierzulande 68 Prozent der Befragten, ihr Job beeinflusse ihre psychische Gesundheit im positiven Sinne, 32 Prozent allerdings sagen das Gegenteil. Die Hauptklagen: massive Überlastung, zu geringe Bezahlung und mangelnde Unterstützung durch das Management. Gerade im internationalen Vergleich, etwa mit Beschäftigten in den USA, Kanada, Italien oder Schweden, ist die hohe Arbeitslast in Deutschland das mit Abstand größte Problem.

Die Folge ist, dass nicht mehr nur ein höheres Gehalt im Vordergrund steht, wenn Menschen einen neuen Job suchen. Zwar sucht ein Teil der Befragten derzeit aktiv nach einer neuen Aufgabe und ein knappes Drittel erhofft sich davon mehr Geld. Genauso viele wollen allerdings wegen großer Unzufriedenheit in der Arbeit wechseln. Fast alle erwarten, dass ihr aktueller oder zukünftiger Arbeitgeber sich für die Umwelt und gegen den Klimawandel einsetzt sowie generell für Werte steht, wie etwa Diversität, Gleichstellung und Inklusion.

Je rund ein Fünftel der Arbeitnehmer hat schon mal Erfahrung mit Mobbing am Arbeitsplatz gemacht oder unter dem Verhalten von Kollegen oder Chefin und Chef gelitten. Dass 43 Prozent sagen, die mentale Belastung habe auch ihre Arbeitsleistung und die Karriere bis hin zum Jobwechsel beeinflusst, ist da wenig überraschend.

"Oft hängt die Qualität von Führung eng mit der Krankheits-und Kündigungsquote zusammen"

In der Arbeitsforschung ist schon lange bekannt, dass sowohl die Arbeit an sich krank machen kann, als auch die Arbeitsumgebung. Eine zentrale Rolle bei diesen Themen spielen die Vorgesetzten, sagt Dieter Frey. Er ist Sozialpsychologe und leitet an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität das Center for Leadership and People Management. "Oft hängt die Qualität von Führung eng mit der Krankheits-und Kündigungsquote zusammen", sagt Frey. So sollte der oder die direkte Vorgesetzte jemand sein, der unterstützt, Anerkennung ausspricht, konstruktiv verbessert. Dazu kommt das Betriebsklima: Ein starker Teamgeist unter Mitarbeitern könne Defizite in der Arbeit oder in der Führung ausgleichen, sagt Frey. "Im Extremfall sollte es heißen: Ich gehe morgens gerne zur Arbeit, weil mir nicht nur die Arbeit Spaß macht, sondern auch die Kollegen und die Führungskraft in Ordnung sind."

Grundsätzlich sind beide Seiten, Chefs und Mitarbeiter, verantwortlich für die Stimmung im Betrieb. In der Monster-Studie aber gibt fast die Hälfte der Teilnehmer an, dass sie sich keine Hilfe bei ihren gesundheitlichen Problemen gesucht habe - zum einen, weil sie wussten, es ist eine temporäre Einschränkung, zum anderen, weil ihr Arbeitgeber diesbezüglich nichts anbiete oder sie genau das nicht wissen.

Wichtig sei, so Psychologe Frey, dass Beschäftigte sich nicht in eine Opferrolle begeben und nur jammern, wie fürchterlich der Betrieb und der Chef seien. Sie sollten auch reflektieren, was sie selbst unternehmen können: Erhole ich mich in meiner Freizeit? Nehme ich Rat an? Das gilt auch, weil Mitarbeiter ebenso Probleme aus dem Privaten mit in die Arbeit bringen. In den meisten Fällen aber müsse das Unternehmen dafür sorgen, dass die Beschäftigten leistungsfähig bleiben, so Frey: Die Bedingungen müssten so sein, dass Mitarbeiter sich entwickeln können.

© SZ vom 03.03.2020/berk
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