Internationaler Bildungsgipfel:Die Promis sind dabei

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Auch die Initiatoren der Kampagne 1Goal, die die Idee des Bildungsgipfels vorangetrieben hatten, reagierten mit Unzufriedenheit auf Zumas Planänderung. "Wir sind enttäuscht, dass die südafrikanische Regierung sich entschieden hat, keine größere Gruppe an Regierungsvertretern einzuladen, insbesondere weil zunächst angedeutet worden war, Jacob Zuma wolle ein Treffen von Politikern aus Industrie- ebenso wie aus Entwicklungsländern", hieß es in einer offiziellen Stellungnahme.

South African President Zuma speaks next to FIFA President Blatter during the opening of the Football for Hope festival 2010 in Alexandra township

Südafrikas Präsident Jacob Zuma (hier neben Fifa-Präsident Joseph Blatter) hat sich entschieden, nur afrikanische Regierungsvertreter zum Bildungsgipfel nach Kapstadt einzuladen.

(Foto: Reuters)

Die Teilnahme der Geberländer sei auch deshalb so wichtig für den Gipfel, weil es vorrangig um die Finanzierung der Bildungsförderung gehe, erklärt May Evers, Bildungsexpertin der Entwicklungshilfe-Organisation Plan Deutschland, die auch Mitglied der Kampagne 1Goal ist. "Es ist dringend eine bessere Verteilung der Gelder nötig, vor allem was die Grundschulbildung angeht. Es müssen mehr Lehrer ausgebildet werden, sie müssen besser bezahlt werden - viele sind derzeit auf einen Zweitjob angewiesen, um überhaupt überleben zu können", sagt sie. Es fehle zudem an Schulmaterial. Da viele Schulen inzwischen hoffnungslos überfüllt seien, und es nicht genügend Lehrer oder Lehrmaterial gebe, verließen zahlreiche Kinder nach sechs Jahren die Schule, ohne über Basis-Kompetenzen wie Lesen oder Schreiben zu verfügen, so Evers.

Und auch wenn die Politik dieses Mal nicht so mitspielt, wie sie sollte - die weltweite Unterstützung für die Bildungskampagne 1Goal ist groß, das Bewusstsein in der Bevölkerung für die Problematik wächst. Das ist auch der Verdienst von Shakira, Cristiano Ronaldo oder Jérôme Boateng. In kleinen Videoclips setzen sie sich, wie ihre Kollegen Zinedine Zidane oder Mick Jagger für eine bessere Schulversorgung weltweit ein. "Es ist immer gut, wenn man Promis für eine Kampagne gewinnen kann, sie ziehen die Masse hinterher", sagt Barbara Fürst. Im Rahmen einer Online-Petition sollen so bis zum 30. Juli 30 Millionen Stimmen gesammelt werden, die die Regierungen an ihre Bildungsversprechungen erinnern sollen.

Das Problem der Finanzierung aber bleibt, wie Fürst verdeutlicht. "Derzeit werden etwa vier Milliarden Dollar für die internationale Bildungsförderung ausgegeben. Um jedem Kind weltweit eine Grundschulausbildung zu gewährleisten, sind allerdings 16 Milliarden Dollar notwendig", sagt sie. Über die Finanzierung kann allerdings nur gesprochen werden, wenn die Geberländer aus dem Westen an den Gesprächen beteiligt sind. Auch weil sie den Druck auf die Entwicklungsländer erhöhen, ihr Versprechen, 20 Prozent ihres Haushaltsbudgets für die Entwicklung auszugeben, auch zu halten.

Ganz ohne Hoffnung für das rein afrikanische Treffen ist May Evers von Plan Deutschland aber trotz allem nicht. "Die afrikanischen Länder können sich jetzt intensiv austauschen und einheitliche Forderungen formulieren", sagt sie. Denn spätestens im September, bei der Weltarmutskonferenz der Vereinten Nationen in New York wird die Bildungsförderung in den Entwicklungsländern erneut Thema sein. Dann soll ein kritischer Blick auf die im Jahr 2000 gesteckten Milleniumsentwicklungsziele geworfen werden, zu denen auch zählt, bis 2015 jedem Kind weltweit einen gebührenfreien Schulbesuch zu ermöglichen. Ob diese Vorgabe erreicht wird, bleibt mehr als fraglich - der ein oder andere internationale Bildungsgipfel wird auf dem Weg dorthin wohl noch nötig sein.

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