Guttenberg und die Wissenschaft "Unerträgliches Verhalten"

Gleichwohl richten sich viele der Mails, die Krecks Vorstoß unterstützen, nicht allein gegen die Politik und das "unerträglich freche und fortgesetzt verlogene Verhalten" Guttenbergs, wie ein Professor zürnt, der dazu anmerkt, "Fälle von Täuschungen sind mir bekannt, aber keine so dreisten und umfänglichen".

Comebacks nach dem Rücktritt

Jetzt erst recht

Auch Selbstkritik klingt an. "Ja, Guttenberg hat betrogen", schreibt ein anderer, "aber drücken wir selber bei anderem Betrug in den Wissenschaften nicht beide Augen zu?" Wer mit Professoren spricht, bekommt von schwarzen Schafen in eigenen Reihen zu hören, die von Kollegen oder gar von Studierenden abschreiben. Namen will dann aber niemand nennen.

Innere Reinigung durch öffentliche Transparenz - hier hat das Bekenntnis zur Läuterung trotz der Guttenberg-Affäre enge Grenzen. Flammende Aufrufe wie dieser klingen also bis auf weiteres wohlfeil: "Diese Aktion muss der Anfang dazu sein, dass sich Professoren und Studierende über die Situation der Hochschulen nach außen Gedanken machen." Zumal sie allenfalls zaghaft am System kratzen, das sich die Hochschulen weitgehend bereitwillig von der Politik oktroyieren ließen. "Wäre so etwas (die Guttenberg-Promotion, Anm. d. Red.) zu Zeiten, wo nicht Drittmitteleinwerbung und große Zahlen von Doktoranden Pflicht sind, auch passiert?", fragt ein Hochschullehrer. Ein anderer bemängelt selbstkritisch: "Wir Professoren haben uns einschneidende Veränderungen von außen vorgeben lassen, obwohl viele von uns vieles für einen Rückschritt halten."

Matthias Kreck und seine sieben Mitstreiter wollen die überwältigende Resonanz nicht verebben lassen. Die Erklärung und die Professoren-Unterschriften sollen zu einem Buch verarbeitet werden, das deutsche Politiker sowie die Präsidenten von Forschungseinrichtungen zum Lesen bekommen. Zudem wird erwogen, einen Kongress einzuberufen, der Lehren aus der Guttenberg-Affäre ziehen soll.

Ob sich die Politiker dann angesprochen fühlen? Kaum. Wenn sie handeln wie bisher, ignorieren sie die Erklärung und verweisen darauf, dass sie als ihre Verhandlungspartner in universitären Fragen die Hochschul- und Forschungsverbände sehen. Die wiederum ernten in den Zuschriften, die beim Mathematiker Kreck eingegangen sind, ebenfalls Kritik: Zu spät und nicht eindringlich genug hätten sie in der Guttenberg-Affäre protestiert.