Gutachten zur Plagiatsaffäre:"Große Schlamperei" - und schuld ist nur der Stress

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Guttenberg entschuldigt seine fehlerhafte Doktorarbeit mit Druck aus der Familie und "chaotischer" Arbeitsweise. Die Uni Bayreuth fällt ein vernichtendes Urteil, den Doktorvater spricht sie frei.

Maria Holzmüller

Das Urteil ist bereits bekannt, jetzt geht es um die schmutzigen Details. In Bayreuth stellt die Untersuchungskommission der Universität den Abschlussbericht zur Plagiatsaffäre Guttenberg vor. Die Hauptnachricht, dass Guttenberg absichtlich abgeschrieben und damit vorsätzlich getäuscht haben soll - was der Ex-Minister bis heute bestreitet -, ist bereits seit vergangener Woche bekannt. An diesem Mittwoch will Uni-Präsident Rüdiger Bormann auch über das dreiseitige Erklärungsschreiben sprechen, das Guttenberg kurz vor seinem Rücktritt an die Universität schickte.

Die Journalisten scharen sich um Bormann, der von Stephan Rixen, dem Vorsitzenden der Kommission "Selbstkontrolle in der Wissenschaft" und Markus Möstl, dem Dekan der rechtswissenschaftlichen Fakultät, begleitet wird. Sie liefern die lang ersehnten Details, doch es gelingt ihnen, ihr hartes Urteil zu Guttenbergs Plagiatsaffäre so zu verpacken, dass es scheinbar vor allem um die Zukunft der wissenschaftlichen Qualität in den Universitäten geht.

Uni-Präsident Bormann strahlt auch bei dieser Pressekonferenz eine gelassene Heiterkeit aus, an der jeglicher medialer Druck abperlt. Der Naturwissenschaftler, der seit zwei Jahren an der Spitze der Hochschule Bayreuth steht, scheint sich auf den medialen Schlusspunkt einer für die Uni Bayreuth düsteren Affäre beinahe zu freuen, als er sich mit den Worten "Ich hoffe, die Mikrofone sind alle so platziert, dass Sie mich gut hören können" an den Tisch setzt: vor ihm die Journalistenmeute, hinter ihm nichts als ein nüchternes leeres Whiteboard.

Nüchtern, so wollte der Uni-Präsident die Ergebnisse auch vermitteln. Mit der Veröffentlichung des - mit Anhang - mehr als 80 Seiten langen Abschlussberichts der Kommission "Selbstkontrolle in der Wissenschaft" will er die "Diskussion versachlichen". Der Kommission, die Guttenbergs Arbeit die vergangenen Wochen untersucht hatte, sei es nicht um eine Vorverurteilung des Ex-Ministers gegangen, sondern um "die Bewertung des Fehlverhaltens aus wissenschaftlicher Sicht." Und diese Arbeit sei "zügig und professionell" erledigt worden. Nicht etwa, um sich als Tribunal gegen Guttenberg zu positionieren. "Vielmehr verstehen wir uns als Anwalt der Wissenschaft", so Bormann.

Dass er und die Kommission als solche kein Verständnis für Guttenbergs Verhalten haben, daran lassen die Wissenschaftler keinen Zweifel. Die Kommission wolle nichts weichspülen, betont Rixen, und verleiht seinen Worten mit ausladenden Gesten Nachdruck. Im Gegenteil, man sei davon überzeugt, dass Guttenberg vorsätzlich abgeschrieben hat: "Wortlaut- und Inhaltplagiate sind über die ganze Arbeit verteilt". In Montagetechnik habe Guttenberg immer wieder plagiierte Sätze aneinandergereiht und miteinander verbunden, dabei aber Synonyme verwendet und einzelne Wörter ersetzt. Das war ein "werkprägendes Arbeitsmuster", so die Erkenntnis der Kommission. Guttenberg habe "in sehr kreativer Weise" Einzelteile verbunden, bemerkt ihr Vorsitzender Stephan Rixen an anderer Stelle.

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