Gleichberechtigung im Job Besser nichts riskieren und Schulhof-Lektionen

Hürde 5: No risk, no fun

Frauen gehen lieber auf Nummer sicher. Das lässt sich zu einem Stück weit biologisch erklären: Das Männer-Hormon Testosteron führt nicht nur zu dicken Muckis, Bartwuchs und Sex-Hunger, sondern sorgt auch dafür, dass man risikofreudiger und wettbewerbsorientierter wird. Und da mehr von dem Zeug durch Männer-Venen schwappt, sind Y-Chromosomen-Träger tendenziell eher bereit, etwas zu wagen. Egal, ob bei der Säbelzahntiger-Jagd oder beim Projekt-Pitch.

Warum ist das ein Karriere-Hindernis? Die heutige Arbeitswelt ist auf Wettbewerb und Risiko ausgelegt. Start-ups, Leistungsbonus, globale Konkurrenz - die Business-Welt honoriert jene, die alles auf eine Karte setzen und alles tun, um die Mitbewerber zu übertrumpfen.

Was dagegen hilft: Die (vermeintliche) Schwäche ist auch eine Stärke. Frauen haben zwar einen niedrigeren Testosteron-Spiegel, aber pah, Östrogen ist das Hormon der Zukunft. Der weibliche Botenstoff erhöht die Bindungsfähigkeit und sorgt für soziale Verträglichkeit - und Empathie und Sozialkompetenz werden immer wichtiger im Job. Zudem liegen Risikofreude und ausgewachsener Bockmist relativ dicht beieinander, wie sich an so ziemlich jeder Finanzkrise und jedem Wirtschaftsskandal zeigt.

Job Sieben Hirnblockaden bei der Arbeit
Ratgeber "Mindfuck Job"

Sieben Hirnblockaden bei der Arbeit

Manche Gedankenmuster hindern Menschen, berufliche Ziele zu erreichen. Coach Petra Bock hat aufgeschrieben, wie man diese "Mindfucks" erkennen und loswerden kann.   Von Sarah Schmidt

Hürde 6: Das Leben ist kein Klassenzimmer

Die armen Jungs! Längst ziehen die Mädchen in der Schule an ihnen vorbei, schreiben die besseren Noten, raufen und lärmen weniger ... Mitleid ist an dieser Stelle jedoch fehl am Platz - tatsächlich nehmen Jungen und Mädchen aus entwicklungspsychologischer Sicht einfach sehr unterschiedliche Lektionen mit aus ihrer Schulzeit. Überspitzt formuliert lernen die Mädchen, dass es ein Fleißsternchen für Französisch-Vokabeln gibt und die Lehrerin sie lieb hat, wenn sie immer brav sind. Die Jungs hingegen nehmen mit, dass sie sich gegen den blöden Erik aus der Parallelklasse durchsetzen können und die Welt nicht untergeht, wenn man mal eine 5 schreibt oder vor die Tür muss. Was sind wohl Kompetenzen, die einem im Berufsleben weiterhelfen?

Warum ist das ein Karrierehindernis? Bingo! Fleißig und brav sein und eine 1 in Französisch qualifizieren vor allem dafür: in der Konferenz das Protokoll zu schreiben und Powerpoint-Folien für den Standort in Paris zu übersetzen. Karriere macht währenddessen der Kollege, der zwar keine Ahnung vom Accent circonflexe hat, dafür aber keine Angst davor, auch mal zu streiten oder sich eine Abfuhr vom Chef einzuholen.

Was dagegen hilft: Möglichst schnell erkennen, dass im Beruf andere Regeln gelten als damals in der 10b. Dass es zwar häufig praktisch ist, auch ein bisschen Hintergrundwissen zu haben, im entscheidenden Moment aber mehr zählt, dem blöden Erik Paroli zu bieten. Der Tochter erklären, dass es okay ist, mal richtig Mist zu bauen. Und sie beim Judo anmelden.

"Wie viel Gleichberechtigung brauchen wir noch?" Diese Frage hat unsere Leser in der achten Runde unseres Projekts Die Recherche am meisten interessiert. Das folgende Dossier soll sie beantworten.