Gleichberechtigung im Job Sonderfall-Problem und zweierlei Maß

Hürde 3: Sonderfall-Problem

Das Zusammenleben von Menschen zu beobachten, kann ausgesprochen spannend sein, wie Club-Urlaub, Familienfeste und Abteilungsmeetings beweisen. Kein Wunder also, dass es einen ganzen Forschungsbereich gibt, der sich damit befasst: die Soziologie. Dank dieser Disziplin weiß man, dass sich Minderheiten immer so lange schwer tun, bis ein bestimmter Schwellenwert erreicht wird. Häufig wird dieser auf etwa 40 Prozent beziffert. Erst ab diesem Anteil werden "die anderen" nicht mehr als Außenseiter und Fremdkörper wahrgenommen, sondern als Teil des Ganzen.

Warum ist das ein Karriere-Hindernis? Weil das auch für Frauen in Führungsetagen gilt. Schon Ende der 70er-Jahre hat die US-Soziologin Rosabeth Moss Kanter die These aufgestellt, dass einzelne Frauen in Führungspositionen allein aufgrund ihres Minderheitendaseins Probleme haben. Sie stehen stärker im Fokus, was zu höherem Leistungsdruck führt. Sie sind weitestgehend isoliert: Die Männer auf gleichem Führungslevel lehnen sie ab, aber auch bei den anderen Frauen im Unternehmen gehören sie nicht mehr dazu. Zudem werden diese Quoten-Chefinnen wegen ihres Exoten-Status besonders stark in Rollen-Klischees gepresst. Es spricht einiges dafür, dass sich daran auch knapp 40 Jahre später nicht allzu viel geändert hat.

Gleichberechtigung heute Geld, Oscars, Rock 'n' Roll - so ungleich sind Männer und Frauen
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Gleichberechtigung

Geld, Oscars, Rock 'n' Roll - so ungleich sind Männer und Frauen

Obwohl die Hälfte der Deutschen Frauen sind, gibt es immer noch große Unterschiede zu Männern. Bemerkenswerte Beispiele.   Von Sebastian Gierke, Antonie Rietzschel und Katharina Brunner

Was dagegen hilft: Eine einzelne Frau kann gegen solche Kontextfaktoren sehr wenig tun. Außer dafür zu sorgen, dass möglichst schnell weitere Frauen aufsteigen. Tatsächlich unterstützt die Schwellenwert-Theorie auch die Forderungen nach einer Frauenquote - die nicht zu niedrig angesetzt werden sollte.

Hürde 4: Zweierlei Maß

Diese psychologische Hürde ist besonders hoch und fies. Denn es geht um die unterschiedlichen Standards, an denen Männer und Frauen (oft unbewusst) gemessen werden. Die Gründe sind vielschichtig - grundlegend geprägt ist dieses Phänomen von den Geschlechterrollen. Was macht eine typische Frau aus, was macht einen typischen Mann aus? Diese kulturellen Konzepte sind auch bei Männern und Frauen sehr tief verankert, die eigentlich von sich behaupten würden, für Gleichberechtigung einzustehen. Dieses Schema im Kopf führt jedoch dazu, dass identisches Verhalten bei Männern anders interpretiert wird als bei Frauen. Ergreift ein Mann häufig das Wort und macht klare Ansagen, wird das als kompetent und souverän wahrgenommen, verhält sich eine Frau genauso, wird sie als dominant und vorlaut eingeschätzt. Und zwar sowohl von Männern als auch von anderen Frauen.

Warum ist das ein Karriere-Hindernis? Weil Frauen per se weniger Kompetenz zugetraut wird als Männern. Weil Durchsetzungsfähigkeit Frauen als Zickigkeit ausgelegt wird. Fordert ein Mann ein hohes Gehalt, wirkt das selbstbewusst, fordert eine Frau das gleiche Geld, wirkt das anmaßend.

Was dagegen hilft: Ehrlich gesagt, ist es leichter zu erklären, was nicht hilft: Eins zu eins die Strategien der Männer zu kopieren zum Beispiel. "Dann forder richtig viel Geld!" oder "Zur Not musst du eben mal richtig laut werden!" kann für Frauen voll nach hinten losgehen. Sich immer nur erwartungskonform zurückzunehmen, hilft allerdings auch nicht weiter - so werden schließlich festgefahrene Gender-Klischees immer weiter untermauert. Was aber jeder und jede tun kann, ist, bewusst die eigenen Geschlechterrollen im Kopf zu hinterfragen. "Die Kollegin hat Abteilung Z mal so richtig die Meinung gegeigt? Toll - die kann sich durchsetzen!"