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Frauenquote:Schlechte Aussichten für Frauen in der Finanzbranche

Das erklärt auch den zumindest leichten Trend zu mehr Frauen in den Kontrollgremien der 200 umsatzstärksten Unternehmen, von denen nur gut ein Viertel der Quotenpflicht unterliegt. Dort ist der Frauenanteil ohne äußeren Zwang im vergangenen Jahr um zwei Prozentpunkte auf 24,6 Prozent gestiegen. Während Aufsichtsrätinnen in der Vergangenheit fast ausschließlich die Arbeitnehmer vertreten haben, werden sie zunehmend auch von den Anteilseignern bestellt.

Auf das operative Geschäft wirkt sich das aber nicht aus. Nur jedes dritte dieser Unternehmen hat mindestens eine Frau im Vorstand - immerhin, muss man wohl sagen: 2006 waren noch mehr als 95 Prozent der Vorstände hierzulande frauenfreie Zonen.

Die höchsten Frauenquoten in der Privatwirtschaft erreicht die Gruppe der DAX-30-Konzerne: Sie kommen auf 13 Prozent Vorstandsfrauen und ein Drittel weibliche Aufsichtsratsmitglieder. Noch mehr Frauen sitzen nur in Unternehmen, an denen der Bund beteiligt ist, in den Vorständen: knapp 18 Prozent. Allerdings, schreiben die Autorinnen der DIW-Studie, ließen sich diese öffentlichen Unternehmen nur begrenzt mit den privaten vergleichen, schon wegen ihrer in der Regel geringeren Größe.

Schlechte Karriereaussichten bietet hingegen der Finanzsektor, also Banken und Versicherungen, den Frauen. Er wurde in der DIW-Studie separat untersucht. Zwar sei mehr als jeder zweite Beschäftigte im Finanzsektor eine Frau, heißt es in dem DIW-Bericht. Zugleich sei es in keiner anderen Branche für Frauen aber "so unwahrscheinlich, eine Position in der ersten oder zweiten Führungsebene zu erlangen wie im Bereich der Finanz- und Versicherungsdienstleistungen".

Die 100 größten Banken hatten nur 23 Prozent Frauen in ihren Kontrollgremien und neun Prozent in ihren Vorständen - und das ist in beiden Fällen schon ein leichtes Plus gegenüber dem Vorjahr. In den 60 größten Versicherungen ging der ohnehin geringe Frauenanteil sogar noch zurück: auf neun Prozent in den Vorständen und knapp 22 Prozent in den Aufsichtsräten.

Unternehmen müssen Kandidatinnen fördern

Grundsätzlich sollten die Unternehmen "im eigenen Interesse zügig einen Pool geeigneter Kandidatinnen auf- und ausbauen", sagt DIW-Expertin Holst. Anderenfalls müsse die Politik über eine Verschärfung der Regeln nachdenken.

Vor allem für den Aufsichtsrat hat Frank Beyer Ideen, wie dieses Ziel umzusetzen wäre. "Man muss heute nicht mehr 20 Jahre Führungskraft im Industriesektor gewesen sein, um erfolgreich als Aufsichtsrat zu arbeiten", sagt er. Wer eine betriebs- und volkswirtschaftliche Ausbildung oder eine technische Ausbildung mit betriebswirtschaftlichen Grundkenntnissen besitze, könne sich in die Themen hineinarbeiten. Um diese noch unerfahrenen Kandidaten und Kandidatinnen mit den Aufgaben des Kontrollorgans vertraut zu machen, schlägt er vor, ein Stellvertretergremium einzurichten. "Dort könnten sie eine Traineezeit durchlaufen", sagt Beyer.

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