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Faires Gehalt:Weil ich es wert bin

Beim Gehalt geht es um mehr als nur um Geld. Wie Vergütungsexperten nach der perfekten Formel für motivierte Mitarbeiter suchen - und zu welchen Lösungen sie kommen.

Wer einen Deutschen nach seinem Gehalt fragt, bekommt selten eine klare Antwort. Zu viel zum Sterben, zu wenig zum Leben. Oder - seufzend - hhmm ja, könnte mehr sein, aber geht schon. Jeder kennt diese Situation, nicht zu wissen, was man antworten soll, ein Gefühl irgendwo zwischen diebischer Neugier und ängstlicher Erwartung. Denn wer zu viel über sein Einkommen verrät, der gibt zugleich preis, wie sehr oder wie wenig ihn sein Arbeitgeber wertschätzt.

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Bewerber sollten sich nicht unter Wert verkaufen.

(Foto: dpa)

In Norwegen dagegen tippt man einfach www.skattelister.no in den Computer ein und dann den Namen des Nachbarn oder der Freundin. Und schon kennt man die genaue Höhe des Einkommens. Angezeigt werden das aktuelle und die beiden vergangenen Jahre. In Europas Norden herrscht in Vergütungsfragen komplette Transparenz, jede Gehaltsbewegung nach oben oder unten wird akribisch dokumentiert.

Auch in Deutschland ist Bewegung in das Thema gekommen. Vergütungsexperten diskutieren leidenschaftlich über die richtigen Formen der Entlohnung. "Es ist heute absolut entscheidend zu verstehen, wie wichtig Geld im Vergleich zu anderen Formen der Wertschätzung ist", sagt Martin Tremmel, "und vor allem, dass es nur ein Faktor von vielen ist." Tremmel leitet die Vergütungsabteilung bei der BMW Group, wo man seit einem Jahr auf ein neues Modell setzt.

Als erstes großes Dax-Unternehmen koppelte der Autobauer den erfolgsabhängigen Teil der Bezüge von Topmanagern und Fließbandarbeitern an eine gemeinsame Grundformel. Nach dem Motto: Alle sitzen in einem Boot und sollen deshalb gleichermaßen an der Entwicklung des Konzerns partizipieren. Das Berechnungssystem des variablen Entgeltbetrags "wird von der Belegschaft als sehr fair empfunden", sagt Tremmel.

Dieses Gefühl von Fairness soll motivieren. "Bei uns geht es immer um das Prinzip Leistung und Gegenleistung", sagt Tremmel. Er nennt es bewusst nicht Anreizsystem, obwohl der Begriff derzeit in aller Munde ist. Wer eine herausragende Leistung zeigt, soll auch eine herausragende Gegenleistung bekommen. Anreizsysteme schafften zwar einen Ansporn, erhöhten aber auch die Gefahr von Fehlleistungen, findet man bei BMW. Noch steht man mit dieser kritischen Haltung unter den Dax-Unternehmen allein da.

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