Erfolgsstrategien:Wer träumt, wähnt sich schon am Ziel

Können Sie erklären, warum das so ist?

Auch das haben wir in experimentellen Studien untersucht. Der Mechanismus funktioniert so: Leute, die sich eine positive Zukunft ausmalen, denken, sie wären schon da, sie hätten ihr Ziel schon erreicht. Während sie sich die Wunscherfüllung vorstellen, entspannen sie sich und genießen das Gefühl der Zufriedenheit: "Ahhhh, der Report ist geschrieben, der Konflikt ist gelöst, ich bin mit meinem Schwarm zusammen - herrlich."

Dabei geht dann aber die Energie runter, die Bereitschaft, die man braucht, um aktiv zu werden und Dinge in die Tat umzusetzen. Tatsächlich ist diese Vorstellung, diese mentale Repräsentation so stark, dass der Blutdruck sinkt.

Damit man doch Ziele erreicht, empfehlen Sie eine Technik, die "mentales Kontrastieren" heißt. Was steckt dahinter?

Auch das habe ich von den Versuchspersonen gelernt. Die Personen, die in unseren Studien am erfolgreichsten waren, haben sich zwar die Erfüllung eines Wunsches vorgestellt, aber dann den Schalter umgelegt und sich gefragt: Was steht mir im Weg, diesen Wunsch tatsächlich umzusetzen? Was hält mich auf? Was stoppt mich? Identifiziert man dieses Hindernisses umd imaginiert es dann, erhält man die nötige Energie, die Sache anzupacken.

"Mentales Kontrastieren" bedeutet also, einem Wunsch die realen Hindernisse gegenüber zu stellen.

Genau. Während die Zukunftsphantasien dem Handeln eine Richtung geben, liefert mir die Vorstellung der Hürden die Energie, sie zu überwinden.

Sie haben ein Modell entwickelt, das WOOP heißt - was steckt hinter den Buchstaben?

Am Anfang steht ein Wunsch - W, wie "wish". Ich formuliere einen Wunsch für die Zukunft, der mir am Herzen liegt. Dann male ich mir das Ergebnis aus - O, wie "outcome". Wie fühlt es sich an, wenn sich der Wunsch erfüllt? Was ist es, was mich daran so reizt?

Dann kommt das Umlegen des Schalters: Welches Hindernis steht mir im Weg? Auf Englisch heißt Hindernis "obstacle" - das ist das zweite O. Als letztes kommt das P für "plan". In diesem Schritt überlegt man sich, wie man das Hindernis überwinden kann. Da macht man sich einen ganz konkreten Wenn-Dann-Plan: "Wenn mir wieder ein Kollege eine Extra-Aufgabe aufs Auge drücken möchte, dann sage ich freundlich, dass ich an einem wichtigen Projekt sitze und daher leider keine Zeit habe."

Wie wichtig ist die Reihenfolge der Schritte?

Die ist essenziell. In unseren Studien haben wir festgestellt, dass schon eine kleine Änderung fatal ist. Wenn man sich zum Beispiel erst das Hindernis vorstellt und dann das Ergebnis, funktioniert die Methode schon nicht mehr so gut.

Der Witz ist nämlich, dass während einer WOOP-Imagination automatische Prozesse ablaufen. Durch das bewusste Vorstellen eines Wunsches und möglicher Hindernisse werden die Zukunft und die Realität miteinander verbunden, ohne dass wir uns dessen bewusst werden. Durch den Plan-Schritt wird dann wiederum ein konkretes Verhalten hinzugefügt. Wenn ich dann an die Zukunft denke, kommt mir automatisch auch die Realität mit in den Sinn und dazu gleich noch das Verhalten, dass ich anwenden möchte, wenn mir ein bestimmtes Hindernis begegnet.

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