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Entgelttransparenzgesetz:Chef, wofür bekomme ich mein Gehalt?

500-Euro-Scheine

Ein paar 500-Euro-Geldscheine in der Hand halten, ist vermutlich ein besseres Gefühl, als Geldscheine in Einkaufstaschen durch die Gegend zu schleppen.

(Foto: Patrick Seeger/dpa)
  • Das Entgelttransparenzgesetz tritt in Kraft. Auf die neue Auskunftspflicht können sich Firmen sechs Monate vorbereiten.
  • Noch sind viele Unternehmer der Meinung, Gehaltsdiskriminierung sei bei ihnen kein Thema.
  • Gleichen Lohn für gleiche Arbeit zahlen viele dennoch nicht - unabhängig vom Geschlecht.

Von Larissa Holzki

Arbeitgeber mit mehr als 200 Beschäftigten müssen ihren Mitarbeitern auf Anfrage erklären, nach welchen Kriterien sich ihr Gehalt zusammensetzt. Dieses Recht verbürgt das Entgelttransparenzgesetz, das am Donnerstag in Kraft getreten ist. Es stellt Unternehmer vor Herausforderungen, die so groß sind, dass sie sich monatelang darauf vorbereiten dürfen. Als Arbeitnehmer will man das nicht glauben.

Sollten Arbeitgeber nicht auf Anhieb wissen, warum sie ihre Angestellten in bestimmter Höhe bezahlen? Sind Gehälter etwa Ergebnis von Lotterie und Laune? Ist die Schonfrist gar dazu gedacht, für systematische Ungerechtigkeiten auch noch gerichtsfeste Ausreden zu finden?

Ein Gehalt in seiner Höhe zu begründen, ist eine Sache. Eine Erklärung könnte zum Beispiel sein, dass bereits der Vorgänger auf einer Position diese Summe bekommen hat. Eine andere Sache ist es, nachvollziehbar darzulegen, warum es dem Grundsatz der Lohngerechtigkeit entspricht, dass der Inhaber dieser Position schlechter bezahlt wird als ein Kollege. "'Das haben wir schon immer so gemacht', können die Unternehmen schlecht sagen", sagt Jörg Wenzel. Als Vergütungsberater der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young hat er untersucht, ob betroffene Unternehmen auf das Gesetz vorbereitet sind.

Bisher fehlten Frauen die Beweise

Erst wenige Unternehmen hätten sich mit ihren neuen Auskunftspflichten befasst, heißt es in dem Bericht, für den Wenzel und seine Kollegen mehr als 200 Personalverantwortliche interviewt haben. Solche Firmen könnten böse überrascht werden.

Das neue Gesetz soll Frauen helfen, gleiches Entgelt bei gleichwertiger Arbeit durchzusetzen. Denn Untersuchungen zeigen, dass Frauen bei gleicher Qualifikation und Jobprofil sechs Prozent weniger verdienen als Männer. Weil das Geschlecht für die Bezahlung nicht ausschlaggebend sein darf, aber Angestellte Diskriminierung beim Tabuthema Gehalt nicht belegen können, kommt nun der Auskunftanspruch.

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