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Deutsche Studenten in Österreich:Aggressive Töne

Kritiker machen Mängel der Tests dafür verantwortlich. Beatrix Karl, Österreichs Wissenschaftsministerin (ÖVP), glaubt hingegen einen Grund im Alter der Bewerber zu erkennen: Parallel zu dem schiefen Ergebnis verläuft die Altersstruktur, und bei so jungen Menschen spiele ein Jahr Lebenserfahrung eine große Rolle.

Flagge

Immer der Flagge nach: Deutsche Studenten strömen ins Nachbarland.

(Foto: iStockphoto)

Der EU-Gerichtshof hat die Quotenregelung akzeptiert, nachdem er im Jahr 2005 die sogenannte Landeskinderregelung aufgehoben, den "Numerus-clausus-Flüchtlingen" Tür und Tor geöffnet und so den Notstand selbst verursacht hatte. Zuvor konnten Deutsche nur in Österreich studieren, wenn sie zu Hause einen Studienplatz nachweisen konnten.

Doch auch in Massenfächern, bei denen der Zugang nicht begrenzt ist und in die viele Österreicher drängen, sieht es nicht besser aus. Die Wiener Wirtschaftsuniversität sieht sich 7000 Bewerbern bei nur 1200 Plätzen gegenüber. Im Modefach Publizistik treten sich 12.000 Studenten auf die Füße, 3000 sind es im Fach Theaterwissenschaften. Aggressive Töne, die den Notstand nur den Deutschen ankreideten, verebben. Scharfe Kritik gibt es dafür an der Regierung: Wien zwinge die Universitäten, jeden Studienbewerber aufzunehmen, sagt Sünkel, ohne die Hochschulen mit dem nötigen Geld auszustatten.

Unklar ist, ob Gebühren, Zugangsbeschränkungen oder radikale Ausbaumaßnahmen die Lösung sind. Und alle fürchten die kommenden Jahre: Dann wird die Verkürzung des Gymnasiums in einigen deutschen Ländern die Bildungsvölkerwanderung erst richtig antreiben.

© SZ vom 08.07.2010/holz
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