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Burn-out am Arbeitsplatz:Abschalten ist das Wichtigste

In vielen Firmen gibt es inzwischen Mitarbeiterbefragungen. Bertelsmann gehört zu den ersten Unternehmen in Deutschland, die so etwas gemacht haben. Dabei kam heraus: Je mehr Freiheit jemand in der Arbeit hat, desto besser fühlt er sich von seinem Chef unterstützt. Die am besten geführten Abteilungen hatten eine Krankenquote, die fast 30 Prozent unter dem Firmendurchschnitt lag. Die Krankenquote der schlecht geführten Bereiche übertraf den Durchschnitt dagegen um 46 Prozent.

Dies zeigt, partnerschaftliche Führung hält gesund. Ein ähnliches Ergebnis brachte eine Befragung von Unilever im Jahr 2008. Die Mitarbeiter berichteten von extrem viel Stress, mehr als die Hälfte litt an Schlafstörungen, mehr als ein Drittel hatte eine depressive Verstimmung. Die Ursachenforschung zeigte, ein Grund dafür war Führungsschwäche. Seitdem werden alle Führungskräfte geschult - die Mitarbeiter sind leistungsfähiger.

Abschalten, im Sinne des Wortes, ist wichtig. So hält sich nach wie vor die Annahme, Arbeitnehmer müssten jederzeit für ihren Chef erreichbar sein, wenn sie dienstlich ein Handy oder einen Laptop haben. Doch das Arbeitszeitgesetz zieht Grenzen: Grundsätzlich darf jemand höchstens zehn Stunden am Tag beschäftigt werden und nicht mehr als 48 Stunden in der Woche. Doch nicht nur einigen Vorgesetzten, auch manchem Mitarbeiter ist das egal. Das Perfide am Burn-out ist, dass er häufig Menschen mit Eigenschaften trifft, die einen guten Mitarbeiter auszeichnen: "Ehrgeiz, ein hohes Kontrollbedürfnis, aber auch ein hohes Beliebtheitsstreben. Eigenschaften, die uns antreiben, die aber auch zu Stressfallen werden können", sagt Charité-Arzt Adli.

So war es auch bei Javier Sayes. Als Selbständiger trug er eine hohe Verantwortung und ein hohes Risiko. Etwa drei Monate nach Therapiebeginn ging er wieder zurück in die Arbeitswelt. "Ich begann, ein paar Stunden jeden Tag zu arbeiten." Allerdings stürzte er sich nicht mehr zu sehr in den Job: "Ich gönne mir Ruhezeiten und habe einen anderen Ausblick auf das, was ich bereits geleistet habe." Heute komme es auch vor, dass er Handy und Laptop ausgeschaltet lasse und nur einen halben Tag mit seiner Arbeit verbringe. "Für mich war das Burn-out ein Warnschuss", sagt der Kaufmann. Sein Leben sei nun deutlich gesünder geworden - "und in meinem Job läuft es weiterhin gut".

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© SZ vom 30.10.2012/wolf

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