Arbeitswelt der Zukunft:Lebenslange Bildung wird zum besten Schutz

Einer Studie der Universität Oxford zufolge werden in den USA bis 2030 etwa 47 Prozent aller Arbeitsplätze der Automatisierung von Prozessen zum Opfer fallen, insbesondere in den Bereichen Finanzen, Verwaltung, Logistik, Spedition und Produktion. Hierzulande arbeiten 42 Prozent der Berufstätigen in Jobs mit hoher Automatisierungswahrscheinlichkeit, 18 Millionen Jobs sind gefährdet. Viele Forscher befürchten, dass sich die soziale Schere in den kommenden Jahrzehnten wegen der Automatisierung weiter öffnen und die Ungleichheit der Einkommen zusätzlich verschärfen wird.

Der internationale Thinktank "Millennium Project" prognostiziert in seiner Studie "2050: Die Zukunft der Arbeit" in den kommenden 30 Jahren sogar den Übergang in ein gänzlich neues System des Arbeitens und Wirtschaftens, in dem auch die Sozialsysteme anders aussehen müssen und vielleicht sogar das Prinzip der Lohnarbeit überholt ist. Auf lange Sicht ist die Gefahr groß, dass gerade diejenigen Arbeitnehmer, die aufgrund von Bildungsarmut, Migration oder biografischen Brüchen keine oder nur geringe Qualifikationen aufweisen können, Schwierigkeiten haben werden, am Berufsleben teilzunehmen.

Was also tun, damit in 20 Jahren nicht Millionen Menschen in Europa auf der Straße sitzen? Forscher des österreichischen Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) fordern in einer neuen Studie über den Zusammenhang von Bildung und Digitalisierung, dass vor allem die Bildungsarmut energischer bekämpft werden solle. Defizite beim sinnerfassenden Lesen, Schreiben und Rechnen müssten dringlicher behoben werden, so Wifo-Chef Christoph Badelt. Denn umso mehr Bildung ein Arbeitnehmer vorweisen könne, umso besser sei er für die Digitalisierung gewappnet.

Bildungs- und Arbeitsmarkt sollten besser abgestimmt werden

Auch plädieren viele Experten wie der Technikphilosoph Klaus Mainzer von der Technischen Universität München dafür, dass der Bildungsmarkt künftig so eng wie möglich mit dem Arbeitsmarkt verzahnt werde. Wegen der laufenden technischen Erneuerungen werde das ständige Lernen ein integraler Bestandteil des neuen Berufslebens und die Fähigkeit, sich immer wieder in neue Herausforderungen einzuarbeiten, eine absolute Basiskompetenz.

Die beste Art, dem digitalen Wandel mit seinen Risiken und Chancen zu begegnen, scheint also die lebenslange Bildung zu sein. Letztlich werden vielleicht aber auch die größten Talente irgendwann ersetzbar sein: Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz prognostiziert, dass bei der Weltmeisterschaft 2050 eine Roboter-Fußballmannschaft den menschlichen Fußballweltmeister besiegen wird.

© SZ vom 16.12.2017
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