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Arbeitsleben:Generation an der Schnittstelle

Eine besondere Herausforderung im Unternehmen ist es, zwischen der Generation Y und der bestehenden Belegschaft zu vermitteln. Hannah Bahl erlebt in ihren Workshops, dass ältere Mitarbeiter sie und das Thema, das sie vertritt, pauschal ablehnen. Da heiße es dann: "Was gibt Ihnen das Recht, hier überhaupt zu stehen?" Andererseits fällt Catrin Adams bei jungen Arbeitnehmern immer mal wieder eine Haltung auf, "bei der - spitz formuliert - alles Bestehende als altmodisch und gestrig abgetan wird".

Bei der Arbeitsweise und der Herangehensweise an Probleme unterscheiden sich Ypsilonern und ältere Semester am stärksten. Das liegt zu großen Teilen am Umgang mit der neuen Technik. Die Generation Y, das sind auch die ersten Digital Natives, diejenigen, die sich die Möglichkeiten des Internets unbedarft und selbstverständlich erschlossen haben. Die gemeinsam mit den sozialen Netzen, Google und Smartphones groß geworden sind - und die deshalb ganz selbstverständlich kollaborativ und in Netzwerken arbeiten.

"Davon können Unternehmen profitieren", ist Bahn-Personalerin Adams überzeugt. Die Organisation von Wissen werde von den Ypsilonern effektiver gestaltet: "Wo große Unternehmen bislang eine Tagung veranstaltet hätten, läuft das bei Ypsilonern viel schneller und flexibler über Plattformen."

Diskussionen gibt es Hannah Bahl zufolge beim Thema: Wer darf welche Daten einsehen? "In der Generation Y geht man da unbedarfter ran, erkennt Vorteile, wenn alle, die an einem Thema arbeiten, auf gleichem Stand sind. Die Generationen davor zögern, zu viel Zugriff zu gewähren."

Sowohl Hannah Bahl als auch Catrin Adams glauben aber daran, dass es sich lohnt, Konflikte auszutragen, im Gespräch zu bleiben: "Es muss darum gehen, gemeinsam zu diskutieren, wie die Arbeitswelt von morgen für alle attraktiv werden kann", so Bahl.

Austausch, Auseinandersetzung und Wertschätzung

Das Aushandeln von Kompromissen, das Ringen um Werte und Regeln mag zäh sein. Es kostet auf allen Seiten Zeit und Kraft. Aber es ist notwendig. Denn die nächste Generation wartet schon. Es ist die Generation Z (also die Jahrgänge ab 1995), es sind die ersten echten Digital Natives, die sich ein Leben ohne Smartphone und Internet gar nicht mehr vorstellen können. "Und die fordern das Gleiche wie die Generation Y - nur mit noch mehr Vehemenz", sagt Hannah Bahl.

Die Generation Y kann man also mit der großen Schwester vergleichen, die durchboxt, wie lange sie ausgehen und Computer spielen darf. Und die kleinen Geschwister profitieren dann davon - und viel von dem, worüber erbittert gestritten wurde, ist zur Selbstverständlichkeit geworden.

Dolmetscher zwischen Digital Natives und Digital Immigrants

So unbefriedigend das auch immer wieder sein mag, die Generation Y ist eine Generation an der Schnittstelle. Ein Dolmetscher zwischen Digital Natives und Digital Immigrants, zwischen der Generation der Eltern und den jüngeren Geschwistern, später auch der Generation der Kinder. Die Generation Y ist Vorkämpferin für die Arbeitswelt der Zukunft. Wie werden der technologische Fortschritt, die Digitalisierung gestaltet? Das liegt maßgeblich in der Hand der Millennials.

Es ist eine Generation, die naturgemäß immer wieder enttäuscht wird, weil sich die Gesellschaft, die Unternehmen nicht so schnell ändern, wie sie sich das wünscht. Und doch ist es die Generation, die einmal bekannt dafür sein wird, den Wandel in Bewegung gesetzt, Veränderung angestoßen zu haben.

© Süddeutsche.de/olkl/lala
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