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Amnesty International:Entrüstete E-Mails von Mitgliedern

Ihr Rechtsanwalt, Lutz Adam, merkt ergänzend an, dass er Lüke mehrmals in der Frage beraten habe, welche Rechte sie als Mutter habe, weil sie mehrere Auseinandersetzungen in dieser Sache mit dem AI-Vorstand geführt habe.

Seit die Freistellung am Mittwoch bekannt geworden ist, geht der Kampf zwischen beiden Seiten weiter. Zahlreiche Amnesty-Mitglieder wandten sich mit entrüsteten Mails an den Vorstand - gerade ein Verein wie AI müsse doch den Mutterschutz "dem Sinn nach ernst nehmen" und ein solcher Umgang mit einer Frau kurz nach der Geburt spreche dem Verständnis von Mutter-Schutz Hohn.

Gleichzeitig streiten die Anwälte von Lüke und dem AI-Vorstand intensiv darüber, ob eine Freistellung während des Mutterschutzes überhaupt rechtlich zulässig ist - schließlich darf eine Frau nach der Geburt ihres Kindes acht Wochen lang sowieso nicht arbeiten. Lükes Rechtsbeistand sagt am Donnerstag, die Gegenseite sei bereits eingeknickt und habe am Mittwoch einer Vereinbarung zugestimmt, nach der die Freistellung zurückgenommen worden sei; Keßler bestreitet das und sagt, eine solche Absprache gebe es nicht.

Auf die Frage, warum man Lüke - und Amnesty - dieses imageschädigende und menschlich quälende Prozedere nicht erspart und sie nach Ablauf der gesetzlichen Fristen nicht ordnungsgemäß gekündigt habe, verweist der Vorstandssprecher auf die an diesem Wochenende anstehenden Jahresversammlung. Dort wird der Vorstand neu gewählt. Man habe der neuen Truppe dieses Problem nicht hinterlassen wollen; außerdem habe man ja mit Lükes Vize Wolfgang Genz einen hervorragenden Stellvertreter, der erstmal weitermachen solle. Wäre Lüke nach dem Mutterschutz zurückgekommen, hätte man ja "alles wieder neu organisieren müssen". Überzeugend klingt das alles nicht.

© SZ vom 10.6.2011/holz

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