3-D-Druck Revolution ohne Anleitung

Drucken in drei Dimensionen: Vor allem Mittelständler verzweifeln an der Technologie, weil es an passenden Lehrgängen mangelt.

(Foto: Voxeljet)
  • Die 3-D-Druck-Industrie expandiert, gerade in der Medizinbranche und Autoindustrie wird immer mehr gedruckt.
  • Bisher mussten sich die Angestellten das Wissen jedoch selbst aneignen, da es deutschlandweit keine Ausbildungen gibt.
  • Für gewährleistete Qualität im Druck braucht es mehr Expertise, auch an den Hochschulen.
Von Martin Scheele

Ein Surren, ein leiser Schlag. Der Kopf des 3-D-Druckers bewegt sich von links nach rechts, von vorne nach hinten und wieder zurück. Die mannshohe Maschine steht im Halbdunkeln einer Werkhalle in Lennestadt im Sauerland. Sie presst verflüssigten Kunststoff aus einer Düse. Schicht für Schicht entsteht so ein neuer Gegenstand. In diesem Fall ist es ein Greifarm, der rohen Fisch von einem Laufband heben und in Verpackungen legen kann.

Michael Hümmeler produziert die Zukunft. Der 47-Jährige Inhaber der Firma LMD stellt Objekte wie den Greifarm im 3-D-Druckverfahren her. Als er vor 14 Jahren den ersten 3-D-Drucker kaufte, konnten viele in Deutschland nichts mit dem Begriff anfangen. Heute stehen sieben Maschinen in seinen Hallen. Und das Produktionsverfahren, das es für Metall- und Kunststoffteile gibt, hat enorme Fortschritte gemacht. Es vergeht keine Woche, in der die 3-D-Industrie nicht irgendwo auf der Welt von sich reden macht.

Süddeutsche Zeitung Landkreis München Technik, Ethik und Etikette
Moderne Medien in der Schule

Technik, Ethik und Etikette

Einige Privatschulen arbeiten bereits mit ausgeklügelten Konzepten zur Medienkompetenz. Dabei geht es um weit mehr als die bloße Geschicklichkeit im Umgang mit digitalen Systemen.  Von Stephanie Schmidt

Neben der Luft- und Raumfahrt sowie der Autoindustrie ist vor allem die Medizintechnikbranche ein starker Treiber: Hüftgelenke, Schuhsohlen und Zahnimplantate werden per 3-D-Druck gefertigt. Schon heute werden mehr als zehn Millionen Zahnkronen und Brücken pro Jahr gedruckt. Nach einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom geht fast die Hälfte der Ärzte davon aus, dass im Jahr 2030 Implantate und Prothesen nur noch mittels 3-D-Druck hergestellt werden.

Sogar der Vatikan profitiert von der sogenannten additiven Fertigung: Die Schweizer Garde, der 110 Mann starke Wachdienst des Papstes, hat gerade eine neue Kopfbedeckung bekommen - einen Helm aus dem 3-D-Drucker. Die Zahl der verkauften Anlagen für Metall-3-D-Druck hat sich binnen Jahresfrist weltweit fast verdoppelt - von 983 Geräten in 2016 auf 1768 im vergangenen Jahr.

Also alles bestens im 3-D-Druck-Land? Unternehmer Hümmeler schüttelt den Kopf. Der Maschinenbaumeister und Chef von 25 Mitarbeitern spricht über die Tücken der Technologie. In dem am häufigsten angewandten 3-D-Druckverfahren wandert ein Laser über ein Pulverbett und verschmilzt es an den zu formenden Stellen zu einer festen Schicht. "Hohlräume, Kanäle, komplexe Geometrien, frei variierende Wanddicken - alles ist möglich", sagt er. "Doch der Fertigungsprozess ist alles andere als banal. Selbst 500 000 Euro teure Anlagen führen ein Eigenleben." Selbst bei zwei baugleichen Maschinen variierten Laserfokus, Laserleistung und Einstellung: "Wir bekommen aus zwei gleichen Anlagen mit den gleichen Parametern und dem gleichen Datensatz nicht zwei exakt gleiche Teile mit den gleichen technischen Eigenschaften heraus."