WHO-Bericht Europas laxe Lebensweise

Fettleibigkeit sei eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, meinen die Experten der WHO.

(Foto: dpa)
  • Die WHO zeichnet von der Gesundheit der Europäer ein gemischtes Bild.
  • Einerseits sterben immer weniger Menschen an Kreislauf- und Atemwegserkrankungen. Die Säuglingssterblichkeit ist gering wie nie.
  • Andererseits sind der Alkohol- und Zigarettenkonsum noch immer alarmierend hoch. Übergewicht nimmt weiter zu.

Immer weniger Menschen sterben in Europa vorzeitig an Herz- und Kreislauferkrankungen, Krebs und chronischen Atemwegsleiden. Auch die Säuglingssterblichkeit sei so gering wie nie zuvor, teilte die WHO in ihrem Europäischen Gesundheitsbericht 2015 mit. Dennoch könnten noch weit mehr vorzeitige Todesfälle vermieden werden, heißt es in dem Bericht weiter. Zu hoher Alkohol- und Tabakkonsum sowie Übergewicht seien die Hauptrisikofaktoren für das vorzeitige Sterben.

"Der Report zeigt ermutigende Fortschritte", sagte Zsuzsanna Jakab, Direktorin der WHO-Region Europa. Diese könnten jedoch zunichtegemacht werden, wenn der hohe Alkohol- und Tabakkonsum auf dem derzeitigen Level bleibe. "Dies ist besonders relevant für junge Leute, die möglicherweise nicht so lange leben werden wie ihre Großeltern." Die Ergebnisse im Einzelnen:

Alkoholkonsum:

In den vergangenen Jahren ist der Alkoholkonsum in der europäischen Region zwar zurückgegangen. Dennoch konsumieren Europäer weltweit am meisten Alkohol. Die Durchschnittsmengen pro Jahr sind in den Ländern sehr unterschiedlich und reichen von 0,32 bis 14,4 Liter reinem Alkohol pro Einwohner. Besonders viel getrunken wird in Weißrussland und Litauen. In Deutschland wird mit rund 11 Liter vergleichsweise viel Alkohol konsumiert. Am zurückhaltendsten sind die islamisch geprägten Länder wie die Türkei und Aserbaidschan, die ebenfalls zur europäischen WHO-Region gezählt werden.

Tabakkonsum:

Der Rückgang beim Tabakkonsum ist ganz wesentlich dafür verantwortlich, dass die Rate der vorzeitigen Todesfälle insgesamt gesunken und die Lebenserwartung vor allem von Männern gestiegen ist. Allein von 2010 bis 2012 wurde in 39 von 41 Ländern, bei denen entsprechende Daten vorlagen, weniger geraucht. Trotzdem ist die Quote weiter relativ hoch. Durchschnittlich hängen 30 Prozent der Europäer am Glimmstängel, schätzt die WHO. Am meisten geraucht wird in Russland, Georgien und Griechenland, am wenigsten in Dänemark und Island. Deutschland liegt im Mittelfeld.

Übergewicht:

Fettleibigkeit sei eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, meinen die Experten der WHO. In allen 51 Ländern, für die Daten vorlagen, sei die Anzahl übergewichtiger Menschen von 2010 bis 2014 gestiegen. Ihr Anteil beträgt mittlerweile fast 59 Prozent der Gesamtbevölkerung. Noch höher ist der Anteil in Nord- und Südeuropa.

Infektionskrankheiten:

In den Ländern der europäischen Region waren 2012 durchschnittlich 95 Prozent der Kinder gegen Masern und Kinderlähmung (Polio) geimpft. Trotz der recht hohen Rate sind in der Hälfte der Mitgliedsländer 2013 die Masern ausgebrochen. Betroffen waren unter anderem Erwachsene, die nicht geimpft waren, und Gruppen, die das Impfen aus religiösen Gründen ablehnen. Auch die Gefahr eines Polioausbruchs sei nicht gebannt, warnen die Experten. 18 Länder seien gefährdet, vier sogar extrem.

Die europäische WHO-Region umfasst 53 Länder, darunter auch Staaten wie das gesamte Russland und Turkmenistan.

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