West-Nil-Virus in den USA 1500 Tote in 13 Jahren

In den USA wurde die Gefahr durch das aus Afrika eingeschleppte West-Nil-Virus offenbar unterschätzt. Aufgrund mangelnder Überwachung der übertragenden Mücken ist es deshalb zu einer hohen Zahl von Todesopfern gekommen.

Von Katrin Blawat

Vor vier Jahren noch schien man die Krankheit in den USA einigermaßen in den Griff bekommen zu haben. Weniger als 1000 schwer verlaufende Fälle des West-Nil-Fiebers habe es dort zwischen 2009 und 2011 gegeben, schreibt Stephen Ostroff, ehemaliger Mitarbeiter der amerikanischen Gesundheitsbehörden CDC, in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Jama (Bd. 310, S. 267, 2013). Diese relativ niedrigen Fallzahlen verleiteten zu Sorglosigkeit - und das wiederum habe zu der zuletzt wieder starken Verbreitung des West-Nil-Virus in den USA beigetragen.

Programme zur Überwachung und Kontrolle der Mücken, die das Virus übertragen, wurden deutlich zurückgefahren. Auf die zahlreichen Ausbrüche der Krankheit im vergangenen Sommer war daher niemand richtig vorbereitet. Allein im Norden Texas könnte es 2012 bis zu 100.000 West-Nil-Infektionen gegeben haben - die meisten von ihnen blieben allerdings symptomlos und damit harmlos.

Plötzlich fielen Krähen von den Bäumen

Das Virus kam 1999 aus Afrika in die USA. Zuerst wurde es in New York entdeckt, wo es im Central Park Krähen tot von den Bäumen fallen ließ. Binnen fünf Jahren breitete es sich in den gesamten USA aus und kommt heute überall von Kanada bis Argentinien vor.

Insgesamt habe es in den USA zu 1549 Todesfällen geführt, berichtet Lyle Petersen, ebenfalls von den CDC, in einem Überblicksartikel in der aktuellen Jama-Ausgabe (S. 308). Eine gefürchtete Folge des Erregers sind neurologische Beschwerden. Davon habe es seit 1999 knapp 17.000 Fälle in den USA gegeben, darunter Hirnentzündungen, so Petersen.

Die Zahl der Infektionen insgesamt dürfte um ein Vielfaches höher liegen, denn nur etwa jeder Vierte entwickelt das typische West-Nil-Fieber mit starken Gliederschmerzen. Von diesen Erkrankten wiederum leidet ein geringer Anteil unter der sogenannten neuroinvasiven Form, die das Gehirn betrifft.