Medizin Erster Parkinsonpatient erhält Stammzellen fürs Gehirn

Reprogrammierte Stammzellen unter dem Mikroskop.

(Foto: picture alliance / dpa)
  • Erstmals hat ein Parkinsonkranker neue Hirnzellen erhalten, die aus modernen Stammzellen entwickelt wurden.
  • Die sogenannten iPS-Zellen hatten dem Japaner Shinya Yamanaka erst vor sechs Jahren einen Nobelpreis beschert.
  • Weitere fünf Patienten mit Parkinson sollen auf diese Weise behandelt werden.
Von Kathrin Zinkant

Als erster Parkinsonpatient in der Geschichte hat ein 50-jähriger Mann in Japan neue Nervenzellen aus sogenannten induzierten pluripotenten Stammzellen, kurz iPS-Zellen, ins Gehirn implantiert bekommen. Wie das Wissenschaftsmagazin Nature aktuell auf seiner Webseite berichtet, fand die Operation bereits im Oktober am Kyoto University Hospital statt. Dabei wurden 2,4 Millionen der neuen Zellen übertragen. Entwickelt worden war die Therapie am Kyotoer Center for iPS-Cell Research and Application (CiRA). Das verpflanzte Gewebe soll abgestorbene Neuronen ersetzen, die für die Produktion des Botenstoffs Dopamin verantwortlich sind.

Es ist einer der ersten Versuche, schwere Erkrankungen mit aus Stammzellen entwickeltem Gewebe zu behandeln. iPS-Zellen sind dabei eine noch junge Errungenschaft der Stammzellforschung, erst vor gut zehn Jahren hat der Japanaer Shinya Yamanaka gezeigt, dass sich normale Körperzellen des Menschen, zum Beispiel aus der Haut, direkt in einen embryonalen Zustand zurückversetzen und bei Bedarf zu beliebigen Geweben entwickeln lassen. Zuvor war dies nur mit embryonalen Stammzellen aus überzähligen menschlichen Embryonen möglich gewesen, die aufgrund ihres Ursprungs jedoch bis heute ethisch heftig umstritten sind.

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Die iPS-Zellen lösten das ethische Problem und erzeugten eine neue Welle der Euphorie, insbesondere in Japan. 2010 wurde das CiRA gegründet, 2012 wurde sein Direktor Yamanaka für die Entdeckung der iPS-Zellen mit dem Medizinnobelpreis ausgezeichnet. Zwei Jahre später bekam eine Frau mit Makuladegeneration, einer Netzhauterkrankung, ein aus ihren eigenen Zellen entwickeltes Pigmentgewebe ins Auge eingepflanzt. 2017 erhielt ein zweiter Patient Pigmentgewebe, dieses Mal aber aus den iPS-Zellen eines Spenders.

Auch für den Parkinsonpatienten wurden gespendete iPS-Zellen verwendet. Sie sind zwar genetisch nicht exakt passend für den Empfänger, doch die Ärzte sparen so Zeit: Für patienteneigene iPS-Zellen müssen Körperzellen erst reprogrammiert und gründlich im Labor untersucht und kultiviert werden, bevor man neues Gewebe aus ihnen gewinnen kann. Japan baut deshalb eine Biobank mit rund 140 fertigen iPS-Zelllinien auf, sie soll regenerative Therapien für fast die gesamte, stark alternde Bevölkerung ermöglichen.

Dabei steht seit Beginn der iPS-Forschung auch die Parkinson-Krankheit im Mittelpunkt. In Gehirn der Patienten gehen Dopamin-produzierende Neurone unter, schon früh kommt es zu neurologischen Ausfallerscheinungen wie dem Verlust des Riechsinns. Später ist die gesamte Motorik betroffen. Obwohl Parkinson mit einer Vorstufe des Botenstoffs, Levodopa, behandelt werden kann, ist die Krankheit nicht heilbar. Biomediziner hoffen deshalb, dass Stammzellen die verlorenen Neurone im Gehirn ersetzen können. In Versuchen an Affen linderte eine solche Therapie tatsächlich die Symptome.

Ob die übertragenen Zellen jedoch auch im Menschen tun, was man sich von ihnen erhofft, nämlich zu intakten Neuronen heranreifen und Dopamin produzieren - das bleibt vorsichtig abzuwarten. Für die aktuelle Studie werden noch fünf weitere Patienten mit iPS-Zellen behandelt. Erste Ergebnisse zur Effektivität und Sicherheit der Therapie sollen erst Ende 2020 vorliegen.

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