bedeckt München 28°

Sport in der Schwangerschaft:Wie schlimm sind Stürze?

Doch nicht nur die Babys, auch die Mütter profitierten von der Bewegung in anderen Umständen. "Wenn kein individuelles Frühgeburtsrisiko besteht, sollten Schwangere unbedingt Sport treiben", unterstreicht daher Thorsten Fischer, Vorstand und Ordinarius der Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe Salzburg. Schwangerschaftsdiabetes, Übergewicht und das Thromboserisiko würden so nachgewiesenermaßen abgemildert. Auch verbessere eine starke Muskulatur die Fähigkeit, mit dem Gewicht des Babybauchs umzugehen, ergänzt Peter Bung von der Gynäkologischen Praxisklinik Bonn.

Trotzdem hält sich hartnäckig das Gerücht, Schwangere sollten sich am besten nur noch ausruhen. "Fast alle haben Angst vorm Sport. Vor allem die Schwiegermütter und Ehemänner, aber auch viele Frauenärzte warnen die werdenden Mütter vor körperlicher Ertüchtigung", seufzt Fischer. Dabei würden Frühgeburten durch biochemische Faktoren ausgelöst und nicht mechanisch.

Selbst dauerndes Babyschaukeln wie beim Joggen und Reiten halten Fachleute für unproblematisch. "Es gibt Studien, denen zufolge Neugeborene eine höhere Stresstoleranz haben, wenn sie im Mutterleib Erschütterungen ausgesetzt wurden", so Fischer. In einer Studie hat er selbst die Wehentätigkeit beim Powerwalking und Fahrradfahren gemessen - mit beruhigenden Ergebnissen. Entwarnung gibt auch Susanna Kramarz, die für ihre Dissertation an der Uni München 1800 Reiterinnen untersucht hat. Demnach erhöht das Reiten das Risiko für eine Frühgeburt nicht.

Die größte Gefahr beim Sport sind Unfälle. Deshalb seien verletzungsarme Sportarten wie Schwimmen oder Bergwandern (bis 2500 Meter) besonders günstig, sagt Fischer: "Ein Reitkurs für Anfänger ist sicher ebensowenig zu empfehlen wie Kickboxen."

Übergroße Angst vorm Hinfallen müssen Frauen aber auch nicht haben. In Susanna Kramarz' Studie gab es 220 Stürze vom oder mit dem Pferd - eine Reiterin verlor dabei ihr Kind, eine zweite erlitt eine Frühgeburt. Alle anderen trugen ihr Kind aber bis zum Termin aus - trotz der Knochenbrüche und Gehirnerschütterungen, die sie selbst erlitten hatten. Insgesamt, betont Thorsten Fischer, habe sich längst gezeigt, was die ungünstigste Belastung in einer Schwangerschaft ist: langes Stehen.

© SZ vom 15.04.2011/vs

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite