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Psychopathen in Film und Realität:"Wall Steet"-Hai Gordon Gekko als geborener Psychopath

Eine Studie von belgischen Wissenschaftlern zeigt nun, wie falsch auch das Bild von Mördern und Serienmördern als Psychopathen ist, das in Spielfilmen überwiegend gezeigt wird. Eine besondere Bedeutung kommt der Untersuchung schon deshalb zu, weil Fachleute davon ausgehen, dass Filme die Wahrnehmung der Öffentlichkeit von Patienten mit geistigen Störungen beeinflussen könne.

Samuel Leistedt und Paul Linkowski, forensische Psychiater an der Université libre de Bruxelles haben sich 400 Filme angeschaut, die zwischen 1915 und 2010 erschienen sind und in denen Verbrecher eine wichtige Rolle spielten. Dann warfen sie alle auf den ersten Blick unrealistischen Figuren von ihrer Liste, zum Beispiel solche, die über Superkräfte verfügten oder offensichtlich Karikaturen waren. Übrig blieben Charaktere aus 126 Filmen, für die eine psychiatrische Diagnose anhand der gezeigten Merkmale in einem begrenzten Rahmen möglich war.

Hannibal Lecter allerdings gehörte nicht dazu, berichten sie im Journal of Forensic Sciences. Zwar weist der "Kannibale" einige Eigenschaften von Psychopathen auf. Sie leiden an einer besonders starken dissozialen oder antisozialen Persönlichkeitsstörung. Unter anderem mangelt es ihnen an Empathie, sie zeigen keine Reue und sind nicht fähig, Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen. Manche sind unbeherrscht und gewalttätig, einige äußerst geschickt im Manipulieren. Mit anderen Worten: Es sind gefühllose, kaltblütige, egoistische Narzissten, die, wenn es sein muss, auch über Leichen gehen, häufig aber mit Täuschung und Betrug zum Ziel kommen. Und manche sind Psychopathen von Geburt an.

"Elite-Psychopathen" wie Hannibal Lecter aber, sagen die Wissenschaftler, sind schlicht unrealistisch. "Er ist zu schlau", sagte Leistedt dem Boston Globe. "Er hat mit allem Erfolg. Er isst seine Opfer, er bricht aus dem Gefängnis aus. Er schafft es in den Kopf der Leute. Er ist nicht groß, aber mächtig. Das entspricht nicht der Realität."

Martin Sheen Apocalypse Now

Colonel Walter E. Kurtz (Marlon Brando, links) in Apocalypse Now (1979) hat sich den Psychiatern zufolge vermutlich zu einem Psychopathen entwickelt, könnte aber auch unter Psychosen leiden

(Foto: Getty Images)

Eine ganze Reihe anderer prominenter fiktiver Verbrecher ließen sich den Psychiatern zufolge jedoch mehr oder weniger gut verschiedenen Untertypen von Psychopathen zuordnen. Dazu gehören Figuren wie Patrick Bateman, Auric Goldfinger, Toni Montana, Bonnie und Clyde, Colonel Walter E. Kurtz, Harry Lime, der "Schakal", Alex DeLarge, Tom Ripley, Mallory und Mickey Knox. Nicht bei allen Verbrechern handelt es sich um Mörder oder Gewalttäter.

Auch Gordon Gekko etwa, der Finanzhai aus dem Film "Wall Street", ist den Wissenschaftlern zufolge ein geborener Psychopath vom manipulativen Typ. Und manche, etwa Norman Bates aus Hitchcocks "Psycho" (1960, Autor Robert Bloch), John Doe aus "Seven" (1995) oder Annie Wilkes aus "Misery" (1990, Autor Stephen King) könnten Psychopathen sein, eher noch erscheinen sie allerdings als psychotisch: Sie leiden unter einem weitgehenden Verlust des Bezugs zur Realität.

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Killer Anton Chigurh (Javier Bardem) in "Kein Land für alte Männer" (2007) ist eine gelunge Darstellung eines Psychopathen

(Foto: dpa)