Glyphosat im Bier:Glyphosat-Funde in Lebensmitteln sind selten

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hatte im Jahr 2013 mehr als 1400 Proben auf Glyphosat untersucht. In 18 Fällen - überwiegend in Hülsenfrüchten und Getreide - wurden Rückstände gefunden. In zwei Erbsenproben überschritten die Glyphosatspuren den geltenden Höchstwert. Berichte über Glyphosat-Funde in Muttermilch hatten sich in der Vergangenheit jedoch als nicht haltbar erwiesen.

Matthias Liess vom Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung gibt vorerst Entwarnung. "Glyphosat wirkt im wesentlichen als Pflanzenvernichtungsmittel, und wir sind ja keine Pflanzen." Dennoch sei es wichtig, die Wirkungen von Glyphosat auf den Menschen besser zu erforschen. Sein Instituts-Kollege Matthias Kästner sagt: "Dass die Belastung dramatisch über den Grenzwerten der Trinkwasserverordnung liegen, ist nicht von der Hand zu weisen." Doch seien die Werte sehr niedrig.

Die Münchner Umweltschützer hatten den Gehalt des Pflanzengifts nach eigenen Angaben mit der in der Fachwelt anerkannten "Elisa"-Methode messen lassen und drei Biersorten mit einer weiteren Methode überprüft. Solche Werte können als nachgewiesen gelten, hieß es aus dem Umweltbundesamt. Der Deutsche Brauer-Bund bezeichnete die Studie des Münchner Vereins indes als "nicht glaubwürdig".

Glyphosat ist das weltweit am häufigsten eingesetzte Unkrautvernichtungsmittel. Alleine in Deutschland gibt es 92 Produkte für die Landwirtschaft wie auch für das heimische Gemüsebeet, die den Wirkstoff enthalten. Glyphosat hemmt in Pflanzen ein wichtiges Enzym, das beim Menschen nicht vorkommt.

Ob Glyphosat weiterhin zugelassen sein soll, darüber tobt seit Monaten Streit. Die internationale Krebsforschungsagentur IARC, eine Unterorganisation der WHO, stufte Glyphosat im vergangenen Jahr als "wahrscheinlich krebserzeugend bei Menschen" ein - vergleichbar mit dem Risiko von Fleisch. Die EU-Behörde Efsa und das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung halten die Substanz dagegen für "wahrscheinlich nicht krebserregend". Im März wird die Entscheidung der EU-Kommission erwartet, ob Glyphosat in der Europäischen Union weiter verwendet werden darf. In einer Abstimmung lehnte der Bundestag am Donnerstag einen Antrag der Grünen ab, die Neuzulassung unabhängig von der EU-Entscheidung zu verbieten.

© SZ vom 26.02.2016
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